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April 2017 –
Ostern – der Duft der Liebe

von Rocco Grämmel

Bibeltext: Mk 14,3-9

Um den Duft der Bibel lebendig werden zu lassen brauchen wir jetzt unseren Geruchssinn, unseren Kopf und etwas Phantasie.
Denn in unserem Geruchsspeicher im Kopf können wir über 10.000 Gerüche abspeichern und unterscheiden. Treffsicher erkennen wir Gerüchte dann auch über Jahrzehnte hinweg wieder.
Welchen Duft hast Du unter Liebe gespeichert? Was verbindest Du damit?
Ist es für Dich vielleicht der Rosenduft, ein besonderes Parfüm oder das Lieblingsessen?

In Mk 14,3-9 riecht es genau so, es riecht nach Liebe. Es ist die Salbung Jesu in Bethanien.

Chronologisch befinden wir uns hier bei der Salbung in Bethanien am Auftakt zur Osterwoche. Es ist das direkte Ereignis vor dem Einzug Jesu in Jerusalem. Jesus zog sich vor seiner schwersten Woche noch einmal zurück.

1. Der Liebesduft ist intensiv

Mk 14,3: „Und als er in Bethanien im Haus Simons des Aussätzigen war und zu Tisch saß, da kam eine Frau mit einem Alabasterfläschchen voll Salböl, echter, kostbarer Narde; und sie zerbrach das Alabasterfläschchen und goß es aus auf sein Haupt.“

Während des Essens taucht also eine Frau im Speisesaal auf mit einem Fläschen in der Hand. Bis jetzt weiß noch niemand was darin ist. Doch Markus gibt uns die wichtige Vorabinformation über den Inhalt, damit wir ihre Tat richtig einschätzen können.

Das Salböl verdeutlicht ihre Liebe zu Jesus

Ihre Flasche ist „voll“.

Da sind nicht nur ein paar Tropfen drin, sondern Joh 12,3 berichtet von einem Pfund, dass sind ca. 300 gr. = 300 ml. Bis zum Rand hin hat sie das Fläschchen voll gemacht, weil auch ihre Liebe nicht halb-voll ist.

Ihr Öl ist „echt“.

Andere übersetzen echt mit unverdünnt, rein oder pur. So gutes Öl wurde eigentlich gestreckt, indem man nur einige Tropfen davon in Wasser oder andere Öle gab, die dadurch etwas von diesem Duft bekamen. Doch das hier war zu 100% pur und unverdünnt.

Ihre Liebe zu Jesus ist pur, stark und intensiv, wie dieses Öl.
Deswegen hat sie es auch nicht verdünnt, sondern so ist es gerade richtig.

Welche Dosierung hat unsere Liebe zu Jesus?
Ist sie voll oder nur an der Minimumsgrenze?
Ist sie echt und intensiv, oder ist es nur eine Spur von Liebe?

Wir alle kennen den Unterschied, ob wir aus vollem Herzen geliebt werden oder nur ein bisschen. Manchmal kommen meine Kinder mir mit flatternden Armen entgegen und drücken mich aus Leibeskräften. Und manchmal bekomme ich nur einen Pflichtkuss. Sie lieben mich in beiden Momenten. Aber der erste Liebesbeweis ist viel intensiver und mir viel lieber.

Was könnte Dein intensiver Liebesbeweis für Jesus sein?
Vielleicht aus Leibeskräften ein Lied für IHN zu singen oder Dir an Ostern eine besondere Zeit für IHN zu nehmen.
Denn Jesus liebte uns mit 100%iger purer Osterliebe.

Sie wählt „kostbare Narde“ als Öl

Die Narde-Pflanze wächst im Himalaja in einer Höhe von 3500-5500 m und war schon in der Zeit Salomos als köstliches Parfüm bekannt. Da die Herstellung und der lange Transport nach Israel sehr aufwändig waren, wurde sie sehr teuer.

Warum entschied sich die Frau dafür?
Normalerweise wurde das günstigere Olivenöl genommen.
Doch sie wählt das allerbeste und damit kostbarste Öl.
Dafür musste sie hart arbeiten und sparen. Denn der Wert von „300 Denare“ (V.5) entsprach dem Jahresgehalt eines einfachen Arbeiters.

Verdient Jesus auch bei uns das Beste?
Dabei ist unser Bestes nicht immer das Leichteste, sondern bedeutet gerade auch Arbeit und Anstrengung.

Marias Liebesgeschenk war hart erarbeitet.

Sie „goß es aus“.

Wie lange wird sie wohl auf diese Gelegenheit gewartet haben! Da nimmt sie das Fläschchen und entleert es vollständig. Nun ergießen sich ca. 300 ml teuersten Parfüms auf den Kopf von Jesus.

Marias Liebe ist großzügig. Sie freut sich selber so, dass alles hinzugeben gerade gut genug ist.

Lieben wir, Du und ich, Jesus auch so?
Oder lesen wir Bibel, damit er zufrieden ist, spenden wir, damit wir Bonuspunkte sammeln?

Bist Du am rechnen, wieviel Liebe gerade ausreichend ist, damit es Dich nicht zu viel kostet und Jesus trotzdem zufrieden ist?

Lasst uns Jesus großzügig lieben!

Und Jesus? Versetze Dich einmal in Seine Lage.
In wenigen Tagen würde ER das kostbarste Opfer sein, dass es jemals gab. Er würde sein Leben völlig ausgießen. Er würde sich nicht schonen, nichts zurückhalten.
ER würde sich ganz hingeben aus Liebe.
Wie wohltuend muss es für IHN gewesen sein, so geliebt zu werden. Es waren zwar viele um ihn herum, aber die waren gefühlsmäßig nicht bei ihm. Die hatten anderes im Herzen und im Kopf. Aber da kommt eine Frau und sie fühlt, wie Jesus fühlt.

Keiner sagt etwas. Jesus lässt das Öl über seinen Kopf fließen. Er riecht es als erstes.
Dieser wunderbare Geruch. Dieser liebevolle Ausdruck. Jesus schweigt.
Kurze Zeit später würde sein Kopf geschlagen werden.

Mk 14,65:  „Und etliche fingen an, ihn anzuspucken und sein Angesicht zu verhüllen und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weisssage! Und die Diener schlugen ihn ins Angesicht.“

Die Intensität der Liebe zu Jesus erfüllte den Raum.

Joh 12,3: „das Haus aber wurde erfüllt vom Geruch des Salböls.“

Die anderen Gäste hatten mittlerweile auch den Duft vernommen.
Doch anstatt sich zu freuen, wurden sie stinkig.

2. Der Liebesduft stinkt etlichen

Mk 14,4+5:  „Es wurden aber etliche unwillig bei sich selbst und sprachen: Wozu ist diese Verschwendung des Salböls geschehen? Man hätte dies doch um mehr als 300 Denare verkaufen und den Armen geben können! Und sie murrten über sie.“

Etliche der Gäste empörten sich. Sie waren entrüstet, ärgerlich, aufgebracht.
Hier wurde ein ganzes Jahresgehalt verschüttet. Und das war: ganz klar, auf jeden Fall Verschwendung! Ihr Urteil stand fest, wie wir in Vers 4 lesen. Sie meinen zu wissen, was Jesus gefällt und das gehörte auf jeden Fall nicht dazu!
Und es war lieblos gegenüber den Armen.

Ihre Lieblosigkeit stinkt und verletzt!
Jesus wurde geehrt. Im Anblick seiner schwersten Woche wird er mit Liebe überschüttet. Aber nicht von seinen Jüngern oder Gästen. Sie sprechen es ihm ab.
Es war nicht die Rede davon, ob es übertrieben war, sondern sie sprachen von Verschwendung. Mit anderen Worten: Das hat Jesus nicht verdient, denn die Armen sind wichtiger.

Aber es gibt nichts Wichtigeres als Jesus zu lieben!
Oftmals stellen wir leider die Taten in den Mittelpunkt. Und wenn jemand etwas aus Liebe zu Jesus tut, dann sollten wir uns nicht zum Richter aufspielen, so von wegen: „Da wäre Deine Zeit, Dein Geld aber sinnvoller angelegt gewesen.“

3. Jesus liebt diesen Duft

Mk 14,6: “ Jesus aber sprach: Laßt sie! Warum bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.“

Darum weißt Jesus die Umstehenden scharf zurecht! Jesus gebietet ihnen Einhalt mit Seinem Befehl. Sie haben sich völlig falsch verhalten. Für falsches Verhalten muss man kein Verständnis haben!

Wie lang wird Jesus wohl der Geruch ihrer Liebe begleitet haben, wenn das Öl in die Haare und die Haut eingezogen ist.

Weil diese Liebestat so groß war, weist Jesus seine Jünger an, es nicht zu vergessen.

Mk 14,9: „Wahrlich, ich sage euch: Wo immer dieses Evangelium verkündigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch von dem sprechen, was diese getan hat, zu ihrem Gedenken!“

Ihre große Liebestat ist ein kleiner Spiegel auf die Liebestat Jesu.

„Diese Art von Liebe verblasst nicht. Bis heute weht uns der Duft entgegen.
Der Duft dieses Parfüms erreicht auch unsere Generation. Jesus sagte, daß ihrer in der ganzen Welt gedacht werden würde. Das ist in Erfüllung gegangen durch die Aufzeichnungen der Evangelisten.“
(William McDonald, Kommentar zum NT)