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Oktober 2017 –
Richtige Balance zwischen ermahnen & ermutigen!

von Johannes Vogel

Es ist gar nicht so einfach immer die richtigen Worte zu finden.
Da ist jemand, der macht immer wieder den gleichen Fehler. Bleib ich ruhig oder nicht?
Ein anderer wird krank aufgrund seines exzessiven Lebens, was sag ich ihm bloß?

Einander ermahnen und ermutigen, dass fällt uns oft gar nicht so leicht. Das Ermahnen ist schnell getan – ruckzuck!
Aber Ermutigen? Vor allem hierbei das richtige Gleichgewicht – die richtige Balance-einzuhalten ist sehr schwierig, finde ich. Wir tadeln (heute würde man sagen schimpfen) doch lieber, anstatt jemanden aufzubauen – zu ermutigen.
In der Bibel werden wir immer wieder aufgefordert zu ermahnen und zu ermutigen.

Zum Beispiel in Phil. 2,1 „Gibt es nun bei euch Ermahnung in Christus, gibt es Zuspruch der Liebe, gibt es Gemeinschaft des Geistes, gibt es Herzlichkeit und Erbarmen.“

Ermahnung, Ermutigung und Gemeinschaft sollte gerade bei und unter uns Christen und somit in der Gemeinde gelebt werden. Und daher ist es wichtig, sich damit einmal näher zu beschäftigen. Fangen wir beim Ermahnen an.

1. Ermahnen

Ermahnen ist nicht einfach nur den Zeigefinger heben. Es ist auch nicht eine Möglichkeit mich in den Vordergrund zu stellen, weil ich es ja besser mache als der andere. Es sollte vielmehr eine Korrektur, ein gutes Warnen und Zurechtweisen für den Anderen, mein Gegenüber sein.

Das Wort, das mit „ermahnen“ übersetzt wird, heißt „parakalein“ und ist verwandt mit „parakletos“, dem Wort, das die Bibel für den Heiligen Geist braucht und das Tröster oder Beistand bedeutet. Das zeigt ja schon, wie Ermahnung geschehen und was sie bewirken soll, nämlich in Form von Beistand, Ermutigung und Trost.

Paulus nennt es hier in der Stelle im Philipper Brief „Ermahnung in Christus“. Also im Sinne Christi – in Seiner Gesinnung sollen wir Menschen ermahnen.

Nur:  Wie ermahnt ER – Jesus – denn die Menschen – das Gegenüber?

Jesus ermahnte die Menschen anders als wir es tun würden.
Als Petrus IHN verleugnete erhob ER eben nicht seinen Finger. In Joh. 21 hält Jesus ihm nicht sein Versagen vor, sondern gibt ihm sogar einen sehr verantwortungsvollen Auftrag. Petrus` Denken wurde genau dadurch korrigiert und nun ging es vertrauensvoll weiter in die Zukunft!
Genauso wie Jesus gehandelt hat, sollten auch wir handeln. Keiner von uns möchte fertig gemacht – heruntergeputzt werden, oder?

Es ist so wichtig, in der richtigen Weise korrigiert zu werden. Und daher müssen wir lernen, unseren Mitmenschen richtig zu ermahnen und ihm beizustehen.
Wenn es mein innerer Wunsch ist, jemandem dabei zu helfen, dass er sich verändert, dann muss ich ihn durch teilweise sehr deutliche Ermahnung aufbauen und mache ihn nicht in Grund und Boden fertig. Das ist nicht so einfach, wie es sich jetzt anhört – da hab ich auch meine Probleme mit, und muss immer wieder lernen.

Im Umgang mit Menschen können wir entweder aufbauen oder herunterziehen, d.h. sie entmutigen oder ermutigen. Was doch so zwei kleine Buchstaben anrichten können. Sie können gewaltig Situationen mit den dazugehörigen Menschen verändern.

Ermahnung ist nicht nur Kritik und Kritik ist nicht nur Ermahnung. Daher müssen wir lernen, andere, so wie Jesus es tat, in Liebe zurecht zuweisen um sie zu korrigieren.

Wie gesagt gar nicht so einfach! Eine Korrektur ist immer eine verbessernde Maßnahme und nie etwas Herabwürdigendes. Das sollte von beiden Seiten, dem Korrekturgeber, sowie dem Empfänger so gesehen werden. Viele möchten heute gar keine Kritik oder Korrektur mehr erfahren, weil sie ja schon „perfekt“ sind. Wir sollten andere ermahnen, indem wir sie an die Hand nehmen und ihnen helfen, es richtig zu machen, denn wir sind alle auf dem gleichen Weg!
Leider neigen wir nicht nur dazu, gleich jemanden fertig zu machen, sondern oft auch die falsche Position zur Ermahnung einzunehmen. Da lebt jemand in Sünde – nicht nach dem Maßstab der Bibel – und wir sagen nichts.
„Er könnte ja beleidigt sein.“
„Ich will weder als Nörgler, noch als Besserwisser da stehen.“
„Da gibt es andere, die dafür verantwortlich sind.“
Das sind alles Ausreden. Wenn wir in Liebe, mit dem Ziel der Korrektur, etwas sagen, dann helfen wir unserem Gegenüber. Und wir selber sollten dabei nicht vergessen auch korrekturfähig und hilfebedürftig zu bleiben. Wenn wir Ermahnungen, die wir erhalten, annehmen und umsetzen, dann nimmt man Ermahnung von uns ganz anders wahr. Wir sollen uns doch mehr und mehr in Jesu` Bild verändern lassen. Dazu brauchen wir noch viel, viel, viel Korrektur; den richtigen Beistand und Hinweise, also ich zumindest!

Daher lasst uns mehr und mehr lernen in Christus zu ermahnen.

Spr. 6,23 Denn das Gebot ist eine Leuchte und das Gesetz ist ein Licht; Unterweisung und Ermahnung sind ein Weg des Lebens…“ 

2.Tim. 4,2Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen; überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung!“

Rö.15,14: „Ich bin aber, meine Brüder, auch selbst im Blick auf euch überzeugt, dass auch ihr selbst voll Güte seid, erfüllt mit aller Erkenntnis, fähig, auch einander zu ermahnen.

Ermahnen alleine reicht also nicht aus, um Jesus ähnlicher zu werden.
Wir brauchen auch immer wieder den Mut zur Ermutigung.

2. Ermutigung

Wenn wir nur noch ermahnt werden, werden wir evtl. irgendwann total entmutigt sein. Haben wir nicht oft das Gefühl zu wenig ermutigt zu werden? Ein Lob hier, eine Geste dort oder ein freundliches Wort und uns geht es gleich besser, egal wie der Tag gerade so läuft.
Und dabei ist Ermutigung noch viel mehr! Dazu gehört z.B. auch einander aufbauen, trösten, Mut machen oder sich des anderen erbarmen.
Die Bibel erwähnt es an sehr vielen Stellen. Aber, wie selten sind doch Ermutigungen geworden in dieser Zeit. Die Welt, in der wir leben, ist kalt und rücksichtslos geworden.
Ist die Welt nur so, oder auch unsere Kreise und Gemeinden? Jeder denkt nur an sich. Wenn es dann mal eine Ermutigung gibt, ist sie oft zum reinen Selbstzweck. Wenn ich ihn ermutigt habe, kann er mir doch auch helfen! Oder: Was ist mit mir? Wer ermutigt mich eigentlich?
Wir sollen nicht geben, in der Erwartung etwas zurückzubekommen – das ist ganz wichtig!
Aber genau das ist doch sooo menschlich.
Ermutigung soll, wie Paulus sagt, ein Zuspruch der Liebe sein. Jesus zeigt am Kreuz, dass ER für uns absolut alles gab – Sein Leben. Keiner von uns kann IHM dafür etwas zurückgeben, ER hat es uns geschenkt. Und durch dieses Geschenk können wir Menschen lieben, so wie Jesus sie liebt.

2.Kor.1,4-5: „der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden. Denn wie die Leiden des Christus sich reichlich über uns ergießen, so fließt auch durch Christus reichlich unser Trost.“

Und obwohl wir jetzt schon als Christen zu Gott und Seiner Familie gehören dürfen, leben wir noch in und auf dieser Welt. Jeder von uns erlebt doch noch Versagen, teilweise Verzweifeln und auch das Sündigen. In diesen schmerzlichen und leidvollen Situationen und Momenten einen Zuspruch von anderen zu bekommen, dass baut uns auf, anstatt zuallererst den belehrenden Moral- oder Bibel- Zeigefinger gezeigt zu bekommen. Es hilft, an Gottes Zusagen festzuhalten und in diesen Situation auch durchzuhalten.

In Heb.10, 24 heißt es: „…und lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken.“
Da wir alle solche Situationen kennen, geht auch keiner leer aus! Jeder braucht Ermutigungen und wenn ich den einen ermutige, wird mich ganz bestimmt wieder ein anderer ermutigen. Um uns herum gibt es ja so viele Möglichkeiten jemanden zu ermutigen.

Wann hast du das letzte Mal jemand ermutigt?

Ja, ich möchte dir Mut machen, einen anderen Menschen heute zu ermutigen. Sowohl einander zu ermahnen, als auch einander zu ermutigen, beides muss geübt werden und gehört zusammen!
Wir haben dazu ja das Top Vorbild – Jesus selber. In den Evangelien sehen wir, wie Jesus mit Menschen umgegangen ist. An Seinem Beispiel und mit Seiner Hilfe dürfen wir lernen einander zu ermahnen und zu ermutigen. Dies beides bereichert unsere Gemeinschaft. Gott hat die unterschiedlichsten Menschen zusammengestellt. Und gerade im Miteinander bauen wir ja an der weltweiten Gemeinde Gottes. Nur durch Jesus Christus können wir wahre Gemeinschaft erleben.
Und das ist auch mein dritter Punkt.

3. Wahre Gemeinschaft

Phil.2,1 gibt es Gemeinschaft des Geistes, gibt es Herzlichkeit und Erbarmen.“

Ein Kennzeichen, so finde ich, von wahrer Gemeinschaft ist die Herzlichkeit und das Erbarmen. Dies sollte bei uns mehr und mehr sichtbar sein. Ist das so? Wie sieht es in unserer Gemeinschaft aus, gründet sie sich auf Herzlichkeit und Erbarmen? Spürt man bei uns die Liebe Gottes? Oder doch eher Streit, Meinungsverschiedenheiten, Neid oder Rivalität?
Gerade unser Verhalten in der Gemeinschaft ist ein großes Zeugnis nach außen hin. Die Welt achtet darauf, wie wir uns untereinander verhalten. Und sie meint auch zu wissen, wie wir uns verhalten sollten.
Jesus hat uns inmitten dieser Welt gelassen, um dort ein Zeugnis für IHN zu sein. Wahre, herzliche Gemeinschaft zu leben das ist kein Spaziergang, es ähnelt eher einer echten Bergtour. Schwerstarbeit. Und wer will schon gerne nach Feierabend noch mal heftigste arbeiten? Der Einsatz von jedem Einzelnen ist entscheidend und zwar sollten wir bei uns anfangen.
Jesus hat uns mit allem ausgestattet, was wir dazu brauchen. Bei einer Bergtour hilft es einem nicht weiter, wenn man sich nur auf ein paar Einzelne verlässt. Meine Ausrüstung und meine Vorbereitungen für diese Tour sind sehr entscheidend, auch für die anderen. In einer Gemeinschaft – in der wir als Christen ja immer stehen – ist es wichtig, dass wir bei uns anfangen und nicht zuerst versuchen die anderen zu verändern.
Das müssen wir nicht alleine tun. Jesus gab uns sogar Seinen guten Beistand, den Heiligen Geist. Nur mit ihm können wir diese Gemeinschaft leben und ein Zeugnis nach außen hin sein.
In Joh.13,34-35 sagt Jesus: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander lieben sollt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“  

Wenn es uns schwer fällt, den anderen anzunehmen, wie er momentan ist, obwohl er mein Bruder ist, dann lautet meine berechtigte Frage: Wie sollen wir dann Menschen annehmen, die Gott überhaupt nicht kennen?

Wahre Gemeinschaft zu leben das ist gar nicht so einfach.

Der eine ist uns sympathisch, und der andere geht uns sogar richtig „auf den Sender“. Das kennt doch jeder von uns irgendwie. Das ist ja auch erst einmal menschlich, somit gut nachvollziehbar. Wir sollen aber unsere Geschwister trotz allem akzeptieren und respektieren!
Aber, so denkst du jetzt vielleicht – „der kennt nicht meinen Nachbarn oder Arbeitskollegen“. Denk immer daran – diese haben Möglichkeiten/Fähigkeiten die du nicht hast und das ist auch gut so!

Gott hat uns in die „Schule“ der Gemeinschaft gestellt um zu lernen.
Nur in der Gemeinschaft haben wir die Möglichkeit, Herzlichkeit und Erbarmen zu lernen. Wenn wir im Kapitel 2 des Philipperbriefes weiterlesen, sehen wir Jesu` Gesinnung, die uns als Vorbild dient. Jesus gab nicht nur den Himmel auf und wurde Mensch, ER wurde sogar Knecht. ER war Gehorsam bis in den Tod hinein. ER ließ Sein Leben für uns – Sein vergebendes Rettungsblut floss dort auf Golgatha. Wie wenig setzen wir uns oft für andere ein.

Jemand hat einmal gesagt: „Du kannst nichts mit in den Himmel nehmen, außer Menschen, die du zu Jesus führst.“

Es lohnt sich also in eine gute Gemeinschaft zu investieren. Von einer guten Gemeinschaft profitieren wir ja auch selber. Dort kann man zu Hause sein, dort kann man auftanken und zur Ruhe kommen und lernen, was Gott als nächsten Wegschritt für einen selber vorbereitet hat.
Unsere Aufgabe ist es, unsere Verantwortung wahr zu nehmen!

Einander ermahnen – indem wir helfend jemand an die Hand nehmen, um ihm das Richtige zu zeigen.

Einander ermutigen – indem wir auf die Menschen um uns herum achten und ihnen in Liebe weiterhelfen. Damit Menschen an unserer Gemeinschaft erkennen, das Jesus Christus uns verbindet, weil sie durch Herzlichkeit und Erbarmen geprägt ist. Legen wir los – ich fang schon mal an, denn ich – ich habe es echt nötig!