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3 Schritte der Eskalation | Januar 2022


von Daniel Bachmann

Habt ihr euch auch schon mal gefragt, wie eine Situation komplett eskalieren konnte? Wie kann es z.B. sein, dass ein normales Gespräch damit endet, dass man wutentbrannt und innerlich verletzt auseinandergeht? In Daniel 2 finden wir eine Situation, die uns die drei Schritte zur Eskalation zeigen. Der babylonische König Nebukadnezar hatte einen Traum, der ihn beunruhigte. Also rief er seine Traumdeuter, Wahrsager und Zauberer zusammen. Jedoch erzählte er nichts vom Traum, sondern wollte sowohl den Traum, als auch die Deutung von seinem Beraterstab hören. Die Wut des Königs schaukelt sich im Laufe des Gespräches immer weiter hoch, bis er den Befehl gibt alle umzubringen.

In unserem Abschnitt habe ich 3 Schritte gefunden, die zur kompletten Eskalation führen. Schauen wir uns sie an.

1. Schritt: Unmögliche Erwartungen

Der erste Schritt der Eskalation lautet „unmögliche Erwartungen“. Wie konnte Nebukadnezar erwarten, dass irgendjemand seine Träume erraten konnte?

Aber solche unmögliche Erwartungen spielen in einer Eskalation eine große Rolle. Wir erwarten von dem Anderen ein gewisses Verhalten und gewisse Worte, bedenken aber nicht, dass der andere nicht in unseren Kopf hineinsehen kann. Und dann sind wir darüber erbost, dass der Andere sich anders verhält!

Natürlich gibt es Dinge, die biblisch ganz klar richtig oder falsch sind. Aber seien wir mal ehrlich. Das sind nur ganz selten die Dinge, worüber wir uns streiten. Vieles hat entweder mit unserem Ego oder unserer Prägung zu tun. Unsere Prägung hat mehr Einfluss auf unser Verhalten, als uns allen lieb ist.

Wenn wir aber realisieren, wie wir geprägt sind und wie unser Charakter ist, dann hilft das, an andere keine unmöglichen Erwartungen zu stellen. Beispielsweise kann ich als Schweizer von einem Deutschen nicht verlangen, dass er sich wie ein Schweizer verhält.

Diese Prägungen lassen sich aber nicht nur regional festlegen, sondern auch nach dem jeweiligen Gemeindehintergrund. Ein Christ aus der Brüdergemeinde verhält sich anders als jemand aus der Landeskirche. Dieser wiederum denkt anders, als jemand mit russlanddeutschem Hintergrund.

Die soziale Herkunft spielt auch eine Rolle, das Alter auch. So könnte man noch viele Beispiele aufzählen. Letztendlich führt es immer zu unmöglichen Erwartungen, die der andere gar nicht erfüllen kann. Und dann ärgern wir uns, anstatt dass wir miteinander über Erwartungen sprechen.

2. Schritt: Drohungen

In unserem Ärger fangen wir dann an “auszuteilen”. Wir drohen dem Anderen. Damit sind wir schon beim zweiten Schritt der Eskalation: Drohungen. Zu diesem Mittel greift Nebukadnezar direkt nach seiner unmöglichen Forderung. Er reagiert richtig aggressiv auf die einfache Frage in Vers 4

“Erzähle deinen Knechten den Traum, so wollen wir die Deutung verkünden!”

Hier geht es nicht um Fehlverhalten seitens der Berater des Königs, sie hatten sich in diesem Fall nichts zuschulden kommen lassen. Und doch wird ihnen eine Morddrohung um die Ohren geschlagen. Der König Nebukadnezar hatte die Kontrolle über seine Emotionen völlig verloren. Nun stellt sich die Frage, ob es noch ein Zurück gibt, wenn der Ärger schon da ist? Einen wichtigen Hinweis geben uns folgende Verse aus den Sprüchen.

Spr. 15,18: “Ein zorniger Mann erregt Streit, aber ein Langmütiger stillt den Zank.”

Spr. 16,32: “Besser ein Langmütiger als ein Starker, und wer sich selbst beherrscht, als wer eine Stadt bezwingt.”

Langmut ist das entscheidende Gegenmittel. Wenn dich der Ärger übermannt, halte inne und warte, gedulde dich. Wenn das nicht geht, lege nochmals eine Schippe drauf, bringe noch mehr Geduld auf. Geht gar nicht? Dann lege nochmals eine oben drauf. Dieses Prinzip bringt uns Jesus näher, als er dem Petrus sagt, dass er seinem Bruder täglich 70×7 Mal vergeben soll. Natürlich müssen Langmut und Geduld gelernt werden. Wie man das macht, wird uns in Sprüche 19,11 nahegelegt:

“Einsicht macht einen Menschen langsam zum Zorn, und es ist ihm eine Ehre, Vergehungen zu übersehen.”

Einsichtig werden wir durch dieses Buch, die Bibel. Je mehr ich darin zuhause bin, desto mehr lerne ich Gottes Gedanken und Wesen kennen und verinnerliche es. Und Vergehungen zu übersehen hilft auch. Das hat übrigens nichts mit blindem Wegschauen zu tun, sondern es bedeutet eine dauerhafte Vergebungsbereitschaft an den Tag zu legen.

3. Schritt: Das unverhältnismäßige Urteil

Nun kommen wir zum dritten Schritt auf der Eskalationsleiter. Ich nenne ihn ein “unverhältnismäßiges Urteil”. Überlegen wir uns mal, was Nebukadnezar hier tut. Er verhängt die Todesstrafe für ein Vergehens namens…Inkompetenz? Unwissen? Unvermögen? Dafür sollen die Männer den Tod verdient haben? Außerdem werden von ihm sogar Männer verurteilt, die gar nicht anwesend sind. Daniel und seine Freunde werden in diesen Versen nicht erwähnt.

Aber solch unverhältnismässige Urteile folgen am Schluss einer Eskalation. Menschen werden als dumm “abgestempelt”: „Du kapierst es nicht. Du bist zu gar nichts zu gebrauchen“, andere werden als ungeistlich dargestellt: „Du musst wohl erst mal noch lernen, was es heißt, als Christ zu leben.“, wieder andere werden abgewertet: „Wer bist du schon. Du hast nichts Liebenswertes an dir.“

Die meisten sagen so etwas womöglich nicht laut, bilden sich aber innerlich dieses unverhältnismässige Urteil. Und durch die Art und Weise, wie man sich gibt, wird es dem Anderen doch schnell klar. Vielleicht sagt man solche Dinge wirklich nur im Ärger und sobald man sich wieder beruhigt hat, meint man es gar nicht so, aber so oder so bleibt es bei dem Anderen schmerzhaft hängen. Das Porzellan ist zerbrochen, der Stich gesetzt, die Wunde zugefügt. Wenn der Andere nun nicht sehr demütig damit umgeht, wird er irgendwann zurückschlagen. Und die drei Schritte der Eskalation wiederholen sich.

Was machen wir nun mit dem Scherbenhaufen?

Paulus schreibt den Korinthern, bei denen so ziemlich alles so richtig eskaliert ist, in

2. Korinther 7,10a: “Denn die gottgewollte Betrübnis bewirkt eine Buße zum Heil, die man nicht bereuen muss.”

Buße ist also angesagt. Jedes Mal, wenn wieder etwas eskaliert ist. Und dann dürfen wir nicht vergessen, dass wir einen Gott haben, der komplett zerfahrene Situationen wieder in Ordnung bringen kann und allen Beteiligten innere Heilung schenken kann.

Also, lass es nicht eskalieren. Erwarte vom Anderen nicht das Unmögliche, sondern überprüfe deine Erwartungen. Lerne Geduld durch Gottes Wort und sei immer bereit zu vergeben. Sonst überkommt dich der Ärger und du sprichst unnötige Drohungen aus. Letztendlich führt das zu unverhältnismässigen Urteilen. Ist es schon so weit, hilft nur noch ernsthafte Buße. Aber wir haben einen Gott, der uns und andere zu heilen vermag.

Amen.