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Bist Du manchmal untröstlich? | Mai 2019

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von Volker Koch

Psalm 77

Wenn wir Psalm 77 lesen, erfahren wir, dass Asaph in seinem Dienst und auch in seinem persönlichen Leben an einem Tiefpunkt ist. Er hat wahrscheinlich gedacht: «Ich bin untröstlich».

Wir bekommen hier Einblick in die Gedankenwelt eines gläubigen Menschen, eines Dieners Gottes, der sich in tiefen Sorgen grämt.

Ps. 77,2 -4: “Ich rufe zu Gott und will schreien; zu Gott rufe ich, und er wolle auf mich hören! Zur Zeit meiner Not suche ich den Herrn; meine Hand ist bei Nacht ausgestreckt und ermüdet nicht, meine Seele will sich nicht trösten lassen. Denke ich an Gott, so muss ich seufzen, sinne ich nach, so ermattet mein Geist.”

Die Sorgen beschäftigen ihn bei Nacht und begleiten ihn sicher auch am Tag. Alle Gedanken verschmelzen in seiner Sorge zu einer Lebenskrise.

Kennst Du das auch? Beruf, Privates, Gemeinde und der Zustand unserer Welt – ein großer Sorgennebel legt sich auf dein Herz.

Asaph scheint untröstlich, aber er sucht Gott im Gebet. Asaph hadert mit dem Handeln Gottes, er versteht nicht, warum die Dinge sind, wie sie sind. Er stößt tiefe Seufzer aus.

Es fällt auf, dass Asaph sich im Wesentlichen mit sich selbst beschäftigt. Die Pronomen mich, mir, meiner, ich dominieren, obwohl er sich eigentlich im Gebet befindet. Man könnte sagen, er betreibt “fromme Nabelschau”. Auch seine Sicht auf Gott geschieht aus seiner Perspektive und unterliegt seiner persönlichen Interpretation.

Ps. 77, 6-8: “Ich gedenke an die alte Zeit, an die Jahre der Urzeit;
ich gedenke an mein Saitenspiel in der Nacht, ich sinne in meinem Herzen nach, und es forscht mein Geist:
Wird denn der Herr auf ewig verstoßen und niemals wieder gnädig sein?”

Er betrachtet seine Sorgen durch seine Brille. Asaph hat Gott noch nicht in seine Gedanken eingreifen lassen (V. 3+4) – der Geist Gottes wohnt in uns, aber wir müssen ihn in uns auch wirken lassen!

Asaph grübelt über die Vergangenheit nach – er ruft sich die Dinge in Erinnerung, die von je her über Gott bekannt sind, kann aber davon in seiner heutigen Realität nichts mehr wahrnehmen. Er “kramt” dann in seinen eigenen Erinnerungen. Es passt einfach alles nicht zusammen und er macht sich Gedanken darüber, ob Gott mit seinem Volk, und damit auch mit Asaph, nicht mehr gnädig sein will. Gott hat doch von der Urzeit her immer seine Gnade erwiesen, sollte damit jetzt Schluss sein?

Doch Gott ist schon bei ihm, auch wenn Asaph das nicht realisiert. Er hält ihn vom Schlafen ab!

Ps. 77,5: ” Du hältst meine Augenlider offen; ich werfe mich hin und her und kann nicht reden.”

Und wie er da so liegt und grübelt, kommt er mit Vers 11 nach dem «Sela», also nach zusätzlicher Bedenkzeit, zu dem Schluss:

«Ja, das ist es, was mich so quält: dass der Höchste nicht mehr so eingreift, wie früher» (NGÜ)

(NeÜ) “Da sagte ich: “Das ist mein Schmerz, / dass der Höchste sich jetzt anders verhält.” //

Fn.: aus SCH2000 d.h. dass Gottes Rechte nicht mehr schützend und helfend eingreift.

Dann kommt die Wende!

Asaph stöbert nicht mehr in seiner eigenen Vergangenheit, um Mut und Kraft zu finden, sondern sucht sie bei Gott. Ich meine, es ist wichtig, dass wir zulassen, traurig und besorgt zu sein. Das bringt die Dinge aus unseren Herzen hervor – sie werden durch unsere Tränen herausgespült, aber dann dürfen wir uns die Tränen von unserem Heiland abwischen lassen und wieder Freude in IHM empfinden. Das will er jetzt schon bei seinen Kindern bewirken, nicht erst in der Ewigkeit. Das ist der Wille Gottes – ich erinnere an den bekannten Vers aus Phil 4,4: “Freut euch in dem Herrn allezeit; abermals sage ich euch: Freut euch!”

Asaph geht von der sinnbildlichen “Nabelschau” dazu über, Gott zum Zentrum der Überlegungen zu machen.

Ps. 77,12: “Ich will gedenken an die Taten des HERRN; ja, ich gedenke an deine Wunder aus alter Zeit,…”

Dazu braucht es doch Informationen aus erster Hand und nicht persönliche Interpretationen aus der momentanen Gemütslage heraus! Fakten statt Fantasien …! Göttliche Realität statt menschliche Melancholie…!

Und es passiert das Unvermeidliche, Gottes Heiligkeit geht in Asaphs Herzen auf, wie die Sonne nach einem Gewitter wieder scheint!

Das ist der Grund, warum Bibellesen und Gebet zusammengehören, das ist auch der Grund, warum jedes Gebet und jeder Lobpreis ohne biblische Grundlage blass und menschlich ist.

Ps. 77,14-16: “O Gott, dein Weg ist heilig! Wer ist ein so großer Gott wie du, o Gott? Du bist der Gott, der Wunder tut; du hast deine Macht erwiesen an den Völkern! Du hast dein Volk erlöst mit deinem Arm, die Kinder Jakobs und Josephs.”

Der Geist Gottes leitet die Gedanken unseres schlaflosen Freundes Asaph jetzt auf die Bewahrung Israels durch Gott. Er hat sein Volk, die Kinder Jakobs und Josephs, erlöst: Die Rettung des Volkes Israel aus Ägypten, heraus aus der Gefangenschaft, durch die Wüste und letztlich über den Jordan hinein in das verheißene Land.

Der Weg, der auch uns als Bild für unser Leben und unsere Rettung gegeben ist.

Der Herr Jesus ist uns zum Erlöser geworden. Gott wurde Mensch, um für die Schuld der Menschen zu bezahlen – sein Blut ist die Grundlage für unsere Erlösung geworden. So wie Gott mit seinem starken Arm die ägyptischen Verfolger im Meer hingestreckt hat und sein Volk aus der Sklaverei befreit hat, so hat unser Heiland den Tod und den Teufel auf Golgatha besiegt. Er hat der alten Schlange, dem Teufel, den Kopf zertreten.

Die letzten Gedanken, bevor Asaph in den Schlaf findet, waren diese:

Ps. 77,20+21: “Dein Weg führte durch das Meer und dein Pfad durch gewaltige Fluten, und deine Fußstapfen waren nicht zu erkennen. Du führtest dein Volk wie eine Herde durch die Hand von Mose und Aaron.”

Auch wenn Gott heute wie damals nicht (V. 20) persönlich sichtbar ist und wir unser Leid im Glauben vor ihn bringen müssen, so sind seine Taten und Wunder trotzdem echte Fakten. Und er hat damals in Aaron bzw. Mose und später durch den Herrn Jesus einen Mittler gegeben, deren Spuren wir folgen dürfen. Das sind geschichtliche Tatsachen – egal, was Kritiker heute darüber verbreiten, die so wahr und fest wie Felsen fest sind.

Mose und Aaron waren nicht nur Anführer und eine Art Reiseleiter für das Volk Israel. Sie waren Mittler zwischen dem Volk und Gott. Der Dienst dieser Männer ist untrennbar mit der Stiftshütte verbunden. Die Stiftshütte ist, wie der Herr Jesus, Zeugnis dafür, dass der heilige Gott Gemeinschaft mit den sündigen und verlorenen Menschen möglich gemacht hat. Er will es, weil er die Menschen liebt und er will nicht, dass sie traurig, betrübt und hoffnungslos sind.

Der Herr Jesus hat von sich selbst damals in der Synagoge vorgelesen:

Lukas 4,18: “Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden, dass sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen,…”

Hierzu musste heiliges Blut fließen und Buße von Seiten der Menschen getan werden, das ist der Weg zu Gott. Das ist der Weg zu echtem Frieden und wirklicher Ruhe im Herzen. Dieser Trost ist nur bei Gottes Heiligkeit und Liebe zu finden.

Wenn Du wie Asaph niedergeschlagen bist und denkst, Gott hat Dich vergessen, dann erinnere Dich an die Taten Gottes, nicht an Deine Taten. An die Tat Gottes überhaupt, er ist in Person seines Sohnes für Dich ans Kreuz gegangen, weil er Dich liebt und weil er wahre Freude für Dich will. Er hat Dich zu einem Kind Gottes gemacht – ein gewolltes und geliebtes Kind, das er jetzt in seinem über alles geliebten Sohn, Jesus Christus sieht.

Asaph wurde getröstet – niemand ist untröstlich, denn der allmächtige Gott will Dein Tröster sein! Lass Dich trösten.

AMEN