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Der Schlachtplan des Paulus | November 2019

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von Eugen Thielmann

Wie Paulus Menschen für Jesus gewinnt.

Kolosser 4,2-6
Seid ausdauernd im Gebet und wacht darin mit Danksagung.
Betet zugleich auch für uns, damit Gott uns eine Tür öffne für das Wort, um das Geheimnis des Christus auszusprechen, um dessentwillen ich auch gefesselt bin, damit ich es so offenbar mache, wie ich reden soll. Wandelt in Weisheit denen gegenüber, die außerhalb [der Gemeinde] sind, und kauft die Zeit aus!
Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt, damit ihr wisst, wie ihr jedem Einzelnen antworten sollt.

1. Die Grundlage ist das Gebet

Die erste, und für Paulus wichtigste Sache, die ihm zu diesem Thema einfällt, klingt zu unserer Zeit und in unseren Kreisen wie eine abgedroschene fromme Floskel.

“Wenn ihr Menschen mit Jesus erreichen wollt, müsst ihr beten. Gebet als Allzweckwaffe.”

Ich denke, wir können beten. Wir haben Gebetskreise in den Gemeinden, und es gibt auch so keine andere Veranstaltung, die ohne mindestens ein Gebet auskommt.

Unsere Worte sind richtig fromm, wir haben auch einige Ausdauer, was das betrifft, und ich bin mir sicher, dass ihr auch zu Hause regelmäßig betet.

Aber glauben wir auch, dass es wirkt? Dass es mehr ist als eine fromme Übung? Dass es entscheidend dazu beiträgt, Menschen mit Jesus zu erreichen?

Ich weiß, dass Gebet wichtig ist. Aber trotzdem ist mir seine wirkliche Bedeutung nicht immer bewusst.

Wenn ich an die Frage denke, wie wir als Gemeinde Jesu Menschen erreichen können, fallen mir zuallererst folgende Gedanken ein:

  • attraktive Veranstaltungen
  • schöne Räume
  • liebevolle Menschen
  • persönliche Beziehungen
  • Mut, mit Menschen ins Gespräch zu kommen
  • Ansprechende Traktate mit gutem Text
  • usw.

Und dann erst würde bei mir das Stichwort Gebet fallen. Wenn überhaupt. Findet ihr in unserem Text eines der Dinge dieser Liste wieder? Kein einziges. Diese Dinge scheinen nicht von entscheidender Bedeutung zu sein. Gebet schon!! Es ist das erste, das Paulus dazu einfällt. Darum sollte es bei uns auch so sein.

Wenn es darum geht, Menschen mit der frohen Botschaft zu erreichen, sollte unser erster Impuls sein, auf die Knie zu gehen und zu beten.

Natürlich darf man vor lauter Beten die anderen Dinge nicht vergessen, aber das Erste sollte das Gebet sein und das Gebet sollte auch alle missionarischen Aktionen und Projekte begleiten und tragen.

Nicht, weil es eine fromme Pflichtübung ist, sondern weil Gebet mächtig ist und die Welt verändert!

Aber Paulus sagt ja nicht nur, dass Gebet wichtig ist, sondern gibt auch Anweisungen mit welcher Haltung und mit welchem Ziel gebetet werden soll.

In Vers 2 heißt es:

“Betet mit aller Ausdauer, voll Dankbarkeit gegenüber Gott und ohne in eurer Wachsamkeit nachzulassen.“

Hier finden sich zwei Wesensarten des Gebetes, das die Mission stützen soll: Es soll ausdauernd und dankbar sein.

Ich denke Paulus macht uns hier keine Hoffnung auf ein schnelles Ende unserer Gebetsbemühungen. Nichts von wegen “einmal gebetet, halbe Stadt bekehrt” – auch wenn wir uns das manchmal so wünschen würden.

Denn Gebet mit Ausdauer, das ist anstrengend.

Ich glaube, wenn wir ernstlich Menschen für Jesus erreichen wollen (und davon gehe ich aus!), sollte das Gebet dafür selbstverständlich sein.

Es sollte unsere Gebetskreise und unsere stille Zeit zu Hause prägen, dass wir Gott darum anflehen, dass Menschen durch uns ihn kennen lernen dürfen.

Dass wir für unsere Mitarbeiter beten, für unsere Geschwister, die anderen Menschen im Alltag die gute Nachricht weiter sagen, und um Gelegenheiten für uns, dies zu tun. Und natürlich für die Menschen, die wir erreichen wollen.

Und das Schöne in diesem Abschnitt ist, dass Paulus in Vers 3 ein konkretes Anliegen nennt, und zwar das Gebet für “offene Türen”, damit das Wort Gottes weiter gegeben werden kann.

Das sollte auch unser Gebet sein.

Die Bitte darum, dass Gott offene Türen schenkt. Dass er eine Offenheit bei den Menschen bewirkt, sich z.B. in Glaubensgrundkurse einladen zu lassen. Oder dass sich Gelegenheiten für Gespräche über den Glauben entwickeln. Dass Menschen einen Blick für die Bedürfnisse der Leute um sie herum bekommen und Aktionen starten, die den Menschen den Glauben nicht überstülpen, sondern die sie dort abholen, wo sie gerade im Leben stehen. Dass Christen die Nöte und Anliegen der Menschen erkennen und darauf reagieren können.

Nach diesen grundlegenden Dingen geht Paulus noch einen Schritt weiter und gibt Tipps, wie das Ganze von der menschlichen Seite her gelingen kann.

2. Nutze die Gelegenheiten!

V.5 (Schlachter): “Wandelt in Weisheit denen gegenüber, die außerhalb [der Gemeinde] sind, und kauft die Zeit aus.”

V.5 (NGÜ): Verhaltet euch klug im Umgang mit denen, die nicht zur Gemeinde gehören. Wenn sich euch eine Gelegenheit bietet, euren Glauben zu bezeugen, dann macht davon Gebrauch.”

Paulus spricht hier in Vers 5 von dem Umgang mit Menschen außerhalb der Gemeinde. Und er spricht auch an, wie man mit ihnen reden soll.

Es gibt christliche Kreise, die davon ausgehen, dass man mit Menschen nicht über den Glauben reden sollte. Man darf die Menschen heute nicht bedrängen und damit abschrecken, und wenn man richtig lebt dann macht man das Reden überflüssig.

Ich sehe das, mit Paulus, anders. In Vers 5 heißt es:

„Wenn sich euch eine Gelegenheit bietet, euren Glauben zu bezeugen, dann macht davon Gebrauch.“

Wir sollen, ja, wir müssen unseren Glauben bekennen. Da gehören die Taten, das Jesus gemäße Leben auch dazu, das ist keine Frage. Aber es gehört eben auch dazu, über Jesus und den Glauben zu reden, wenn es möglich und nötig ist. Und hier ist es wichtig einen guten Weg zu finden. Denn es gibt Menschen, die nicht nur jede mögliche Gelegenheit nutzen, sondern auch jede Unmögliche. Und das ist auch nicht förderlich, um Menschen für Jesus zu gewinnen. Aber ich denke, dass es eher vorkommt, dass man seinen Glauben verschweigt, als dass man zu viel über den Glauben redet. Und ich muss sagen, mir fällt es auch nicht immer leicht von Jesus weiter zu sagen. Ich denke aber, eine gute Strategie ist es zu lernen, dass man in seinem Bekanntenkreis klare Verhältnisse schafft.

Dass man mal seinen Bekanntenkreis durchgeht und mal schaut, ob alle wissen, dass man Jesus nachfolgt. Da hat man schon viel zu tun und somit ein großes Lernfeld, in Bezug auf was es bedeutet von Jesus weiter zu sagen.

Doch es ist nicht nur wichtig jede uns bietende Gelegenheit zu nutzen, sondern das “Wie” ist auch ganz wichtig.

3. Die Art und Weise ist entscheidend

V. 6 (Schlachter): “Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt, damit ihr wisst, wie ihr jedem einzelnen antworten sollt.”

V.6 (NGÜ): “Eure Worte sollen immer freundlich und mit dem Salz der Weisheit gewürzt sein. Dann werdet ihr es auch verstehen, jedem, der mit euch redet, eine angemessene Antwort zu geben.”

Freundlich sollen diese Begegnungen und Gespräche sein. Das ist gar nicht so selbstverständlich. Gerade wenn es um Glaubensfragen geht, werden Menschen sehr persönlich bewegt und fühlen sich schnell verletzt. Wie wir aus der Bibel sehen und die Kirchengeschichte uns mehrfach berichtet, sind Christen schon oft tätlich angegriffen worden.

Auch die Gefahr, dass sich unser alter Mensch meldet und zurückschlagen will, ist groß. Oder dass wir durch unsere Argumentationen den anderen übertrumpfen wollen. Plötzlich bekommen unsere Erklärungen aggressive Züge. Wir sprechen von Liebe und schnauben innerlich vor Wut. Wir referieren über Geborgenheit und Frieden und sind beleidigt, dass der andere denkt, wir würden einem Glauben für Versager folgen.

Aber wir sollen uns nicht gehen lassen, sondern wie Paulus sagt, freundlich bleiben!

Die Gnade, die wir verkündigen, darf dem anderen nicht nur mit der Verwendung von richtigen Aussagen vermittelt werden, sondern unsere ganze Art und Weise, wie wir das tun, soll das, was wir sagen, unterstreichen.

Manchmal verstehen Menschen nicht, was wir sagen aber sie merken, ob wir freundlich sind.

Der Ton macht eben die Musik. Menschen merken, ob wir unsere Haut retten wollen, oder ob wir sie lieben. Paulus sagt:

“Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.” (Rö.12,17-18)

Freundlich sein bedeutet aber nicht, dass wir nichts Unangenehmes mehr sagen dürfen. Unsere Worte sollen mit Salz gewürzt sein. Salz macht Speisen bekanntlich schmackhaft. Wer das testen will, muss nur einmal ein ungesalzenes Brot essen! Wir müssen nicht alles weglassen, was den anderen verletzen könnte und was ihn vielleicht in Rage bringt. Wenn das so wäre, dann wären Jesus, Paulus und alle Apostel schlechte Verkündiger gewesen. Mit Salz gewürzt heißt, dass ich etwas sage, was für den Zuhörer von Bedeutung ist und ihn zum Nachdenken bringt. Die Worte sollen ihn etwas” beißen”, sodass sie ihn weiter beschäftigen. Sie sollen so schmackhaft sein, dass man weiter über sie nachdenkt. Einige finden an diesem Geschmack gefallen, andere nicht.

Ich wünsche mir für jeden persönlich, dass das Gebet die oberste Priorität in unserem Leben hat.

Dass wir ganz besonders für offene Türen beten, dass wir keine Gelegenheit auslassen mit unserer Arbeit ein Wegweiser auf Jesus hin zu sein.

Und dass unsere Art und Weise mit Salz gewürzt ist und das bestätigt, was wir weitergeben.

Amen.