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Die Positive Seite der Geduld


von Johannes Vogel

In einer Welt, wo viele von uns vor dem Altar „sofortiger Befriedigung aller Wünsche“ knien, erscheint Geduld wie eine Tugend, die kurz vor dem Aussterben ist.

Es gibt den Schnellimbiss – Fast Food – den Drive in, weil wir nicht darauf warten wollen, dass das Essen für uns gekocht wird.

Zuhause bescheren uns Mikrowellenherde komplette Menüs innerhalb weniger Minuten, manchmal sogar Sekunden.

Wenn wir Geschäftskollegen nicht am Arbeitsplatz erreichen, rufen wir sie auf dem Handy an, weil wir ihren Rückruf nicht abwarten können.

Im Supermarkt in der Schlange vor nur einer Kasse zu stehen bringt uns in absolute Verzweiflung.

Und nach nur kurzer Wartezeit sprechen wir dem Personal die komplette Fachkompetenz ab, weil sie es nicht schaffen für mich eine zweite Kasse zu öffnen.

Im dichten Verkehr zu stecken, belastet unsere Nerven und beeinträchtigt unsere Gelassenheit.

Wir haben es ja immer so eilig und können es kaum erwarten, unser Ziel zu erreichen.

Und in diesen Zeiten bleiben Angestellte nur noch selten länger als zwei oder drei Jahre bei einer Firma. Anders als die Menschen der vergangenen Jahrzehnte, die lange und hart auf eine Beförderung hin gearbeitet haben, springen viele nur noch von Job zu Job. Einfach die Karriere den eigenen Vorstellungen und unserem momentanen Tempo angleichen ist angesagt.

Und dann passiert so etwas wie ein Lockdown – eine Quarantäne – eine Krankheit oder eine Nachricht oder Diagnose setzt uns außer Gefecht.

Das Warten – die Ungewissheit – wir brauchen Geduld.

Deswegen mein Thema:

DIE POSITIVE SEITE DER GEDULD

Ja, Geduld ist eine vergessene Kunst geworden. Aber vielleicht würde es sich lohnen, ihr wieder wesentlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Wie sagt es das Sprichwort so treffend: “So wie Rom nicht an einem Tag gebaut wurde…”, kann ein erfülltes Leben und ebensolche Karriere nicht durch planlose, gehetzte, manchmal impulsive Aktionen gestaltet werden.

So schwer wie es erscheinen mag in einer Zeit, von Pushnachrichten, Reels, Tictoc und Instastorys, wo die Aufmerksamkeitsspanne selten länger als eine Minuten dauert (und manchmal nur wenige Sekunden), so scheint doch folgende Ermahnung aus der Bibel in Psalm 37, 7 echt bemerkenswert zu sein:

„Sei geduldig und warte darauf, dass der Herr eingreift!“ Psalm 37,7

Aber Sie wollen jetzt bestimmt einwenden:

„Geduldig sein? Ruhig bleiben? Wollen Sie mich auf den Arm nehmen? Ich habe Ziele und Dinge, die ich erledigen muss. Ich habe so viel zu tun und so wenig Zeit – Sie haben ja gar keine Ahnung. Außerdem bin ich viel zu ungeduldig, um Geduld zu üben!”

Wenn Sie das denken, ist das nur zu verständlich.

Aber bitte bedenken Sie – nur für einen ganz kurzen Moment – einige Gedanken, die das Buch der Sprüche zu diesem Thema anbietet:

Der erste Gedanke: Geduld hilft, Ziele zu erreichen.

Manchmal hat die „Ich muss es haben und zwar sofort“- Einstellung den gegenteiligen Effekt und zerstört die Möglichkeiten, ein bestimmtes Ziel zu errei­chen.

Zudem kommt noch der beste Grund für Geduld in Entscheidungsphasen dazu: ich habe nämlich durch bewusste Wartezeiten die Möglichkeiten mit Gott länger die Angelegenheiten zu besprechen im Gebet.

Durch Geduld und lange Sicht können wir auch gerade die Kraft der positiven Überzeugung nutzen, um wichtige Entscheidungen dahingehend positiv zu beeinflussen und Unterstüt­zung für das erwünschte Ergebnis zu erlangen.

Die Bibel drückt das in den Sprüchen so aus:

Sprüche 25, 15: „Durch Geduld wird ein Herrscher umgestimmt, und Sanftmut kann den stärksten Widerstand brechen.“

Der zweite Gedanke ist: Geduld unterdrückt unproduktive Wut.

Wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir das gerne hätten, ist es leicht, wütend zu werden und aus Emotion und Frust heraus zu reagieren. Indem wir ruhig und kontrolliert bleiben, können wir es jedoch vermeiden, unnötigen Schaden in unseren Beziehungen und bei unseren Lieblingsprojekten anzurichten.

Dazu kommt, dass wir auch Gott die Zeit geben sollten, Situationen und Angelegenheiten zu verändern – lassen wir doch dem Höchsten den Handlungsspielraum der IHM zusteht um Veränderungen vorzunehmen an uns oder der Person oder Situation um uns herum.

Wenn wir geduldig sind, können wir vielleicht erleben, wie sich die Umstände dramatisch verändern und die Ergebnisse viel besser ausfallen, als wir es je erhofft hätten.

Die Bibel drückt das in den Sprüchen so aus:

Sprüche 16,32: „Geduld zu haben ist besser, als ein Held zu sein; und sich selbst beherrschen ist besser, als Städte zu erobern!“.

Der dritte Gedanke ist: Geduld löscht das Feuer des Streits.

Wenn jemand in Wut zu uns kommt, löst das in uns oft den Instinkt zu „kämpfen oder zu fliehen“ aus. Wut mit Wut zu besiegen ist so, als würde man ein Feuer löschen wollen, indem man einen Benzinkanister zum Löschen nimmt. Viel besser ist es – und meistens effektiver – auf wü­tende Konfrontation mit Geduld zu reagieren, gut zuzuhören, wenn das Problem geschildert wird, und auf ruhige, vernünftige Weise nach einer Lösung zu suchen.

Die Frage die ich hier einwerfen möchte ist: Wie hätte Jesus Christus reagiert in so einer Situation?

Sonst könnte ein kleines Wort hin und her zum vollen Krieg eskalieren.

Und hier weiß ich ganz genau, wovon ich spreche, da ich oft auch mit meiner Zunge schneller bin als mit meinem Nachdenken.

Die Bibel drückt das in den Sprüchen so aus:

Sprüche 15,18:„Ein Hitzkopf schürt Zank und Streit, ein Geduldiger aber schafft Versöhnung.“

Unser erster Gedanke als ungeduldige Christen ist wahrscheinlich jetzt, dass wir um Geduld beten sollten; “Herr schenk mir Geduld, aber bitte sofort!

Aber beten wir lieber nicht in erster Linie um Geduld, weil die beste, und wirksamste Art geduldig zu werden dann gegeben ist, wenn man gezwungen ist, schwere Situationen auszuhalten, in denen nichts anderes möglich ist, als einfach geduldig zu sein und auf IHN, den Herrn, zu hoffen!

Gehen wir doch also alle zusammen einfach nochmal in der nächsten Zeit in die Geduldsschule Gottes.

Keine Angst – ER handelt spätestens rechtzeitig!

Psalm 37, 7: „Sei geduldig und warte darauf, dass der Herr eingreift!“