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Komm, wie du bist | Mai 2020

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von Dennis Wagner

Wie lernt ein Mensch sprechen? Babys fangen zuerst an zu schreien, dann versuchen sie die Laute nachzumachen. Wenn sie älter werden, lernen sie die ersten Wörter, worauf schon bald die ersten Sätze folgen. Dann kommt noch ein bisschen Grammatik dazu. Learning by doing. In der Schule wird dann versucht, die Grammatik und Ausdrucksweise zu verfeinern.

Wenn man mal auf die Gespräche der Menschen auf der Straße oder im Geschäft achtet, fällt einem etwas auf. Eine Person beginnt über etwas zu reden, was ihr auf dem Herzen liegt. Der Gesprächspartner geht aber nicht auf das Gesagte ein, sondern redet über die Dinge, die ihn gerade beschäftigen. Abwechselnd redet jeder über das, was ihn selbst gerade beschäftigt, anstatt auf den Anderen einzugehen. Wechselseitige Monologe, die oft oberflächlich bleiben.

Menschen haben oft keine Ahnung, WIE sie auf ihr Gegenüber eingehen sollen. Es gibt sogar Schulungen, um genau das zu lernen.

Manches Mal habe ich den Eindruck, dass es uns mit dem Beten ähnlich geht.

  • Erst brabbeln wir den Anderen etwas nach und fühlen uns unwohl, wenn wir laut beten. Doch daran gewöhnt man sich irgendwann.
  • Dann lernen wir etwas über das Loben, Danken, Bitten, Fürbitten, usw.
  • Wir lernen, warum wir beten sollen.
  • Per “Learning by doing” kommen wir da rein. Das ist durchaus etwas Gutes.
  • Und dennoch bleibt es oft oberflächlich. Zumindest geht das mir manches Mal so.

So manches Mal hatte ich keine Ahnung, WIE ich auf Gott eingehen kann, um das Gespräch in die Tiefe zu führen. Gott selbst beginnt mit einer Einladung, die Jesus in Matthäus 11,28-30 ausspricht.

Matthäus 11,28-30
“Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.”

Die Aufforderung zu Jesus zu kommen, finden wir immer wieder in der Bibel. Sie ergeht an Männer, Frauen und Kinder in den unterschiedlichsten Situationen.

Die Einladung hier lautet: “Komm her zu mir, so wie du gerade bist!” – Aber wie bin ich denn gerade?

Ich bin einer der Menschen, die eher introvertiert sind, ich ticke über meinen Verstand und bin absolut nicht der Typ für Emotionen.

Ich bekam einmal die Aufgabe, Sätze zu vervollständigen:

  • Wenn ich daran denke, fühle ich mich …
  • Wenn ich das mache, fühle ich mich …

Daneben stand eine Liste mit positiven und negativen Emotionen als Hilfestellung.  Ich hab die einzelnen Begriffe analysiert, für mich definiert und voneinander abgegrenzt. Dann habe ich überlegt, welche Definition der Emotionen bei den vorgegebenen Sätzen am ehesten passt. Das ist mein Umgang mit Emotionen. Ich habe richtig lange für diese kurze Aufgabe gebraucht.

Das gleiche habe ich mal ausprobiert mit dem Gebetsleben, d.h. Gott zu sagen, wie es mir geht.

  • Ich habe vorgefertigte Sätze gefunden, die ich dann vervollständigt habe. Es hat eine Weile gedauert, aber ich konnte Gott sagen: ” Ich bin …
  • … mühselig und beladen, von der Last fast erdrückt. (In dem Moment hatte ich einige Herausforderungen vor Augen.)

Und ich bin durchaus nicht der Erste, der das so gemacht hat. Asaph hat in Psalm 73, etwas ganz Ähnliches gemacht.

Psalm 73,12-14
“Ja, sie verachten Gott, haben aber keine Sorgen und häufen auch noch Reichtum an! Ach – so habe ich wohl ganz umsonst mein Herz und meine Hände frei von Schuld gehalten! Ich werde ja doch den ganzen Tag vom Unglück geplagt, jeder Morgen ist bereits eine Strafe für mich!”

Jetzt mag man einwenden: Gott weiß doch, was ich denke! Er weiß, wie es mir geht! Aber weißt du das auch? Gott wünscht sich, dass wir das aussprechen. Asaph hat Gott sein Herz ausgeschüttet. Die Gedanken, die ihn gerade bewegen, lässt er einfach raus. Dann geht Gott auf ihn ein und öffnet ihm einen neuen Blickwinkel.

Psalm 73,16-17
“So dachte ich nach, um all dies zu begreifen, doch es war zu schwer für mich  – so lange, bis ich endlich in Gottes Heiligtum ging. Dort begriff ich, welches Ende auf jene Menschen wartet.”

Er begann, das Ganze aus Gottes Perspektive zu betrachten. Um das zu können, ist es nötig zu wissen WER Gott ist und WIE Gott ist. Die Einladung, Gott kennen zu lernen, finden wir in Matthäus 11,29.

Matthäus 11,29
“Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen!”

Wenn ich von ihm lernen will, möchte ich erfahren WER er ist, WIE er ist, WAS er macht. Vom Kopf her kennen wir oft die richtigen Antworten. Aber wie erleben wir ihn gerade in der Situation, in der wir stecken?

Die Situation in der ich stehe, verändert möglicherweise meinen Blickwinkel darauf, WER Gott ist und WIE er ist. Mein Blick auf Gott in den Herausforderungen die mir entgegenstanden, war Asaphs Blickwinkel aus Psalm 73 nicht unähnlich:

  • Gott ist der, der mir gerade “den ganzen Mist um die Ohren fliegen lässt”.
  • Gott enthält mir das Gute vor.
  • Sag mal, Gott, schläfst du?

Aber stimmt der Blickwinkel aus der eigenen Situation heraus mit dem überein, was die Bibel über Gott sagt?

WIE ist Gott? WAS will er tun?

Laut Matthäus 11,29 ist Gott sanftmütig, demütig und gütig und er will mir innerliche Ruhe geben. So habe ich in dem Moment jedenfalls nicht über Gott gedacht. Mein Blickwinkel begann sich zu verändern, wie Asaphs in Psalm 73:

Psalm 73,17.21-26
“so lange, bis ich endlich in Gottes Heiligtum ging. Dort begriff ich, welches Ende auf jene Menschen wartet:
Als mein Herz verbittert war und ich mich tief verletzt fühlte, da war ich töricht und ohne Einsicht, verständnislos wie ein Tier stand ich vor dir. Aber nun bleibe ich für immer bei dir, und du hast mich bei meiner rechten Hand gefasst. Du leitest mich nach deinem weisen Plan und nimmst mich am Ende in Ehren auf. Wen habe ich im Himmel außer dir? Du bist mir wichtiger als alles andere auf der Erde. Bin ich auch krank und völlig geschwächt, bleibt Gott der Trost meines Herzens, (andere Übersetzung: so gibt doch Gott meiner Seele Halt). Er ist alles, was ich brauche – und das für immer!”

GOTT MÖCHTE DIR BEGEGNEN

  • Er möchte dich innerlich frei machen von den Dingen und Situationen, die dich zu zerreißen drohen und dich von ihm weg ziehen wollen.
  • Indem du Gott deinen Herzschlag zeigst, d.h. was in deinem Innersten vor sich geht, wird Gott dir seinen Herzschlag zeigen, was in seinem Innersten vor sich geht.
  • Seine Ruhe und seine Stärke werden mehr und mehr dein Herz erfüllen.
  • Die äußeren Umstände ändern sich nicht immer, denn Gott will dir seine Möglichkeiten in der Situation zeigen.

Das alles ist kein Selbstläufer. In Matthäus 11,29 steht die Aufforderung:

Matthäus 11,29-30
“Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.”

Die Umstände werden nicht immer einfacher. Vielleicht werden sie sogar herausfordernder. Wie wichtig ist es da, Zeit mit Gott zu verbringen, für ihn zu leben und den Herausforderungen mit Gottes Ruhe und Gottes Stärke entgegenzusehen, die er uns schenkt.