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“www. – wir wollen wachsen” | September 2020

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von Eugen Thielmann

www. – das steht für „world wide web“, also auf Deutsch „weltweites Netz“ und ist die Abkürzung für das, was wir Internet nennen. Und es gibt fast nichts, dass so rasant, so schnell, so unaufhaltsam wächst wie das Internet.

In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich das Internet von einer experimentellen Vernetzung zwischen Forschungs-Rechnern und Regierungsinstitutionen zu einem weltumspannenden Netz entwickelt.

Mittlerweile sind viele Menschen mehr Stunden am Tag online als offline – nicht zuletzt wegen des Siegeszugs mobiler Geräte.

www.- das heißt nicht nur „world wide web“, es ist auch eine Abkürzung für „wir wollen wachsen“!

Wachstum finden wir in vielen Bereichen unseres Lebens. Betriebe wachsen, Vereine wachsen, Familien wachsen und Gemeinden wachsen.

Doch an vielen Stellen machen wir Wachstum an Zahlen fest. Die Größe einer Gemeinde ist oft ausschlaggebend für uns und doch sagt die Größe einer Gemeinde nichts über ihre Qualität aus. Sie sagt nichts über ihre Lebendigkeit aus.

Wir verbinden mit Wachstum auch schnell Weiterentwicklung. Unser ganzes Leben dreht sich um Weiterentwicklung,

Aber wie sieht es da in unserem geistlichen Leben aus?

Darum geht es in

Epheser 4, in den Versen 15+16:
„sondern, wahrhaftig in der Liebe, heranwachsen in allen Stücken zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus. Von ihm aus vollbringt der ganze Leib, zusammengefügt und verbunden durch alle Gelenke, die einander Handreichung tun nach dem Maß der Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Gliedes, das Wachstum des Leibes zur Auferbauung seiner selbst in Liebe.“

Es ist immer schön, wenn ein Bibeltext mit dem Wort „sondern oder stattdessen“ beginnt, denn dann merkt man, dass er unvollständig ist. Was Paulus hier zeichnet, ist ein Bild von vorher und nachher.

Und darum soll es jetzt auch in dem ersten Punkt gehen.

1. Vorher – nachher

Was für einen Unterschied macht es, im Glauben zu wachsen? Dafür muss man sich den Vers vorher noch mit ansehen, den Vers 14:

Epheser 4,14
„damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch das betrügerische Spiel der Menschen, durch die Schlauheit, mit der sie zum Irrtum verführen,…“

Das ist das „Vorher“, dem Paulus das „Nachher“ des Wachstums entgegensetzt.

Es gibt ja das schöne Sprichwort „es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“. Die allermeisten Fähigkeiten müssen wir lernen bzw. üben. Das kann man an Kindern wunderbar beobachten. Erst robben sie, dann krabbeln sie und lernen dann gehen, die Sprache entwickelt sich währenddessen.

Das ist im Beruf so, das ist auch bei Hobbys so, beim Sport und bei der Musik, das ist normal. Niemand würde einen anderen verurteilen, weil er etwas am Anfang noch nicht perfekt beherrscht. Und das ist auch im Glauben so. Niemand würde von jemand, der frisch Christ geworden ist, bombastisches Bibelwissen erwarten.

Es ist völlig normal, dass man noch nicht fertig zur Welt kommt. Was nicht normal ist, ist nicht zu wachsen und sich nicht zu entwickeln. „Ich will so bleiben wie ich bin“, wie es mal in der Werbung hieß, gilt nicht. Kinder wollen sich weiter entwickeln und endlich die Sachen können, die die Erwachsenen können.

Und ein gesunder Christ will wachsen, will Jesus ähnlicher werden, will sich entwickeln. Denn das Vorher klingt, vor allem aus der Perspektive des Epheserbriefes hier, nicht übermäßig attraktiv.

Paulus sagt, dass ein unreifer Christ ein Spielball der Einflüsse von außen ist.

Manche Menschen bringen uns durcheinander.

Manche absichtlich, weil sie schlechte Absichten haben, andere unabsichtlich, weil sie es selber nicht besser wissen. Unser Grad an Reife zeigt sich darin, wie sehr es uns verwirrt.

Wie sieht es bei dir aus? Bist du gefestigt? Kannst du gute Lehre von Irrlehre unterscheiden?
Kannst du Bücher, die du liest, beurteilen? Predigten einsortieren? Das ist ein Zeichen davon, dass Wachstumsprozesse bei dir eingesetzt haben!

Dieser Unmündigkeit des Vorher setzt Paulus dann mit dem Wort „sondern/ stattdessen“ ein Nachher entgegen. Er führt aus, was Wachstum bringt, wie Wachstum gelingen kann und was das Ziel des Wachstums ist.

2. Wie wachsen wir?

Das passiert laut unserem Text durch zwei Dinge, siehe Vers 15 und 16:

Epheser 4,15 + 16
„Stattdessen sollen wir in einem Geist der Liebe an der Wahrheit festhalten, damit wir im Glauben wachsen und in jeder Hinsicht mehr und mehr dem ähnlich werden, der das Haupt ist, Christus. Ihm verdankt der Leib sein gesamtes Wachstum“

Und wieder finden wir hier diese zwei Pole, die es in der Bibel immer wieder zusammen zuhalten gilt, die aber eigentlich so gar nicht zusammen zu passen scheinen. Die aber ganz schnell zur Irrlehre werden, wenn man sie auseinandernimmt.

Es ist unser Beitrag, unser Wollen und Bestreben – und es ist Gottes Werk, es liegt ganz an Christus.

Das erste stand in Vers 15: wir sollen in einem Geist der Liebe an der Wahrheit festhalten. Die Wahrheit ist in der Bibel keine theoretische Größe, kein philosophisches Konstrukt, kein „Für-wahr-halten“ von Glaubenssätzen, sondern eine Person. Jesus selber ist die Wahrheit.

Wachstum schaffen wir also, indem wir an Jesus festhalten.
Und dazu gehört:

  • Lies die Bibel als Quelle über diese Wahrheit.
  • Bleibe mit ihm verbunden durch die Gemeinschaft mit anderen Christen.
  • Vernachlässige nicht das Gebet

Jesus ist die Wahrheit, d.h. an ihm festzuhalten bedeutet, im Glauben zu wachsen! Da war noch ein Attribut dabei, wie wir an der Wahrheit festhalten sollen: in Liebe.

Und das ist ganz wichtig. Denn Wahrheit ohne Liebe wird zur Gesetzlichkeit und Hartherzigkeit. Und das ist kein Wachstum im Glauben.

Bibelkenntnis bringt dir nichts, wenn du die Liebe nicht hast.

Paulus sagt es in etwas anderen Worten in 1. Korinther 13.

„Ohne diesen Geist der Liebe ist alles Festhalten an der Wahrheit für die Katz‘!“

In der Wahrheit fest sein – und das in der Liebe. Das ist unser Job!

Bleibt noch die andere Seite dieses Spannungsfeldes, die ja am Anfang von Vers 16 stand: Ihm, Christus, verdankt der Leib sein ganzes Wachstum.

Gott ist es, der jedem einzelnen Menschen Wachstum schenkt. Wir hätten unser Wachstum gerne selbst in der Hand, dann könnten wir das Tempo bestimmen. Aber das haben wir nicht. Wir müssen festhalten und doch ist es ganz Er. Das gilt für unser Wachstum, für geheiligtes Leben.

Alleine Er. Und völlig wir. 100% plus 100% = 100% So geht Mathematik bei Gott.

Okay, wir sollen wachsen, weil es ein Vorher und Nachher gibt. Wir haben gehört, wie wir wachsen können. Aber was ist das Ziel des Ganzen?

3. Das Ziel

Ich liebe dieses Bild vom Körper, das Paulus hier und im 1.Korintherbrief zeichnet, denn man kann so herrlich daran zeigen wie großartig Gottes Gemeinde ist.

In Vers 16 finden wir auch das Ziel für das Wachstum jedes einzelnen Christen.

Dort heißt es:

Epheser 4,16
„durch sie wird er zusammengehalten und gestützt, und jedes einzelne Körperteil leistet seinen Beitrag entsprechend der ihm zugewiesenen Aufgabe“

Nur wenn wir wachsen können wir unsere Aufgaben, die Gott uns zugewiesen hat, auch wirklich erfüllen.

Damit wird deutlich, dass Glaubenswachstum in unseren Gemeinden DAS Mittel ist, um eine lebendige Gemeinde zu sein. Wenn wir unseren Platz im Leib besser einnehmen, dann werden wir Jesus mit Freude bekannt machen, mutig von ihm reden, ihn fröhlich bekennen.

Wenn wir im Glauben wachsen, werden wir Menschen dienen, ihnen mit Freude helfen, aus ganzem Herzen für sie da sein – einfach weil man das so macht, weil es in unserer DNA liegt.

Wenn wir unseren Platz im Leib einnehmen, werden wir Gemeinschaft leben –und zwar eine Art von Gemeinschaft, die weit über das hinausgeht, was man zum Beispiel im Fußballverein findet.

Wahrheit, die geprägt ist von Annahme, Liebe, Mittragen, Geduld, Freude, Langmut, Sanftmut – Gemeinschaft, die nicht von dieser Welt ist.

Zu sagen, all das würde dann automatisch passieren wäre sicher zu viel gesagt – aber es passiert viel leichter, viel selbstverständlicher, weil wir durch dieses Wachstum von unserem Wesen her dem viel näher kommen.

Anstrengend, ja – aber kein Vergleich zu vorher!

Wenn wir uns im Glauben weiterentwickeln wird es leichter, selbstverständlicher und lockerer gehen.

www. – wir wollen wachsen und zwar zu Ihm hin.

Amen!