Lieber Freundschaft im Regal statt Werkzeug im Keller (BibelFokus Oktober 2026)
Beschreibung
Im August habe ich mich auf Andachten für eine Motorradfreizeit vorbereitet.
Das Thema war relativ offen – grob gesagt: Männer und Gottes Wort, verbunden mit Beispielen aus dem Motorradfahren.
In dieser Zeit habe ich mich mit dem 1.Johannesbrief beschäftigt – besonders mit Kapitel 2.
Beim Lesen bin ich u. a. über Vers 14 gestolpert.
Der ganze Abschnitt bis Vers 17 spricht von „Liebe zur Welt“, aber auch von „Nächstenliebe“.
Beides sind Themen, zu denen ich echt viel sagen könnte – weil sie mich persönlich immer wieder herausfordern.
Aber in diesem Abschnitt steckt so viel drin, dass es fast unmöglich ist, nur bei einem Gedanken zu bleiben – man kann ´ne ganze Predigtreihe daraus machen.
Damit das hier nicht den Rahmen vom Bibelfocus sprengt, will ich mich heute auf einen Gedanken konzentrieren – und der kommt aus dem Bild von Licht und Finsternis.
Habt ihr euch schon mal bewusst gemacht, wie unterschiedlich Dinge im Dunkeln und im Hellen wirken?
Vor kurzem habe ich mit meiner vierjährigen Tochter Emma das Kinderbuch hier gelesen – da kam ein Bagger drin vor.
Und wie das so ist: Wenn du diesen Bagger bei Tageslicht siehst, ist alles klar – Kind schaut drauf, sagt „cooler Bagger“, alles gut.
Aber im Dunkeln? Da wirft der Bagger große Schatten, der Arm sieht plötzlich aus wie ein riesiger Greifarm, und für ein Kind kann das Ganze ganz schön unheimlich wirken.
Plötzlich sieht es nicht mehr wie ein Fahrzeug aus – sondern wie ein Monster.
Dasselbe Objekt – völlig anders wahrgenommen. Der einzige Unterschied? Licht. Oder eben: Finsternis.
Gehen wir zurück zum Text.
In Vers 7 schreibt Johannes, dass er den Gläubigen kein neues Gebot gibt – sondern sie an ein altes erinnert:
(V7)
„Nicht ein neues Gebot schreibe ich euch, sondern ein altes Gebot, das ihr von Anfang an gehabt habt.“
Wovon spricht er?
Im Alten Testament – konkret in 3.Mose 19,18 steht:
„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Das war also schon lange bekannt.
Aber: Als Jesus in diese Welt kam, hat er genau dieses Gebot in ein ganz neues Licht gestellt.
Damals – zur Zeit des Alten Testaments – war die Bedeutung noch nicht so klar.
Jesus hat gezeigt, was Nächstenliebe konkret heißt. Er hat es erklärt. Und vor allem: Er hat es vorgelebt.
Die Liebe, von der Jesus spricht, ist nicht einfach ein warmes Gefühl, das wir automatisch haben – wie Elternliebe oder romantische Liebe zu unserem Partner.
Und selbst das ist ja manchmal schon herausfordernd genug.
Jesus meint eine Liebe, die sich ganz praktisch zeigt – im Umgang mit anderen Menschen.
Im Alltag. Beim Nachbarn, auf der Arbeit, unterwegs.
Und genau da kommt jetzt ein Beispiel das ich sehr passend finde – weil ich mich auch selbst so sehr darin erkenne:
Stell dir vor:
Du hast einen neuen Nachbarn, er klingelt bei dir und fragt, ob er sich deinen Schlagbohrer ausleihen darf.
Klar – du gibst ihm das Ding. Und genau in dem Moment liebst du ihn – im biblischen Sinn.
Denn: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Das heißt nichts anderes als: Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.
So weit, so gut. Aber was, wenn’s schiefgeht?
Ein Tag vergeht – Zwei – Drei.
Die Bohrmaschine kommt nicht zurück. Du fragst freundlich nach – er murmelt irgendwas von „hatte keine Zeit“.
Eine Woche später erinnerst du ihn nochmal. Wieder nichts.
Jetzt wirst du sauer.
Was passiert jetzt?
Den Bohrer zurückholen – notfalls mit Verstärkung?
Ihm mit einer Anzeige drohen? Einen Anwalt einschalten? Immerhin ist das dein Eigentum.
Und jetzt wird’s spannend:
Dein Nachbar wird zum Gegner.
Er sagt kleinlaut, er habe die Bohrmaschine weiterverliehen – an einen Freund – der sei jetzt verreist. Tja.
Er selbst kann dir auch keine neue kaufen, er steckt mitten im Umzugsstress, ist knapp bei Kasse.
Was jetzt?
Im Licht von Jesus könntest du Folgendes sagen:
„Wissen Sie was – behalten Sie das Ding. Ich will nicht, dass so was zwischen uns steht.
Ich hab inzwischen sowieso einen neuen, der besser funktioniert.
Wenn der alte Bohrer doch nochmal auftaucht – bringen Sie ihn einfach rüber.“
Wenn du das tust – liebst du deinen Nächsten. Im biblischen Sinn.
Ich sage mal ganz frei raus:
Das fällt mir extrem schwer.
Mein erster Impuls wäre: „Selbst schuld – sieh zu, dass ich mein Zeug wiederbekomme! Was verleihst du überhaupt meine Sachen weiter?!“
Ich glaube, viele von euch können das nachvollziehen.
Aber:
Für die Art von Liebe, die Gott meint, ist das alles nicht entscheidend!
Denn Jesus hat diese Liebe selbst vorgelebt!
Nicht nur mit Worten – sondern bis ans Kreuz.
Jedes Mal, wenn wir Abendmahl feiern, erinnern wir uns daran.
Jesus hat gebetet:
„Vater, vergib ihnen – denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Er sagt das, während er leidet. Für Menschen, die ihn gerade töten.
Das ist Liebe, die wir mit unserem Verstand nicht begreifen können.
Und deshalb schreibt Johannes so klar:
(V9–10)
Wer sagt, dass er im Licht lebt, seinen Mitmenschen aber hasst, der ist noch in der Finsternis.
Wer aber seinen Bruder liebt, der lebt im Licht.
Wenn wir ehrlich zu uns sind, fällt uns auf –
Manchmal hängen wir zu sehr an Dingen – Besitz, Recht, Prinzipien.
Aber im Licht von Jesus wird deutlich, was wirklich zählt:
„Ein Freund im Herzen wiegt mehr als eine Bohrmaschine im Keller.“
Anders ausgedrückt –
„Lieber Freundschaft im Regal als Werkzeug im Keller.“
AMEN

Ruedi
Aus dem alltäglichen Alltag berichtet.
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