Mit Gottes Augen sehen (BibelFokus August 2026)
Beschreibung
Stellen wir uns einmal folgende Situation vor:
Wir sitzen schön in unserer Gemeinde. Der Gottesdienst hat begonnen. Gerade wurde das erste Lied angestimmt. Plötzlich geht die Tür auf und zwei Personen kommen rein.
Der eine ist ein piekfein gekleideter Mann. Er steht aufrecht und strahlt Selbstsicherheit aus, trägt einen Smoking mit Fliege, Einstecktuch und Hut. An seinem Arm eine teure Luxusuhr.
Neben ihm, eher im Hintergrund steht aber noch jemand. Der Mann steht unsicher da. Etwas gebeugt. Er schaut betreten auf den Boden. Seine Kleidung ist schmutzig und an manchen Stellen kaputt. Man sieht ihn an, dass eine warme Dusche dringend notwendig wäre. Je näher man ihn kommt, desto mehr steigt einen ein eher unangenehmer Geruch in die Nase. Wahrscheinlich jemand der auf der Straße lebt.
Wie würden wir reagieren?
Was würden unsere Augen, unsere Blicke darüber verraten, was wir denken? Würden wir es schaffen die beiden mit Gottes Augen zu sehen?
Mit Gottes Augen sehen
Darum soll es heute sehen:
Mit Gottes Augen sehen
Die Situation, die ich gerade beschrieben habe, ist angelehnt an eine Situation die Jakobus in seinem Brief beschreibt.
Jakobus 2,1-3a: Meine Brüder, verbindet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit, nicht mit Ansehen der Person! Denn wenn in eure Versammlung ein Mann käme mit goldenen Ringen und in prächtiger Kleidung, es käme aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung, und ihr würdet euch nach dem umsehen, der die prächtige Kleidung trägt, und zu ihm sagen: Setze du dich hier auf diesen guten Platz!, zu dem Armen aber würdet ihr sagen: Bleibe du dort stehen, oder setze dich hier an meinen Fußschemel!
Jakobus beschreibt uns zunächst den menschlichen Blick und die menschliche Reaktion.
1. Der menschliche Blick und die menschliche Reaktion
Die Gläubigen beurteilen die beiden, die hereinkommen rein aufgrund von äußerlichen Merkmalen. Sie machen sich nicht die Mühe erst einmal mit ihnen zu reden, um ihren Charakter kennen zu lernen oder herauszufinden, wie sie geistlich stehen.
Sie sehen den Schmuck, die teuren Klamotten beim Reichen. Und beim Armen sehen sie nur auf die schmutzige abgetragene, vielleicht sogar zerlumpte Kleidung.
Dieser menschliche Blick führt bei ihnen zu einer menschlichen Reaktion. Der Reiche wird bevorzugt behandelt, während der Arme gedemütigt wird.
Dem Reichen wird nämlich der gute Platz angeboten. Aber dem Armen wird gesagt, er soll entweder stehen oder am Fußschemel Platz nehmen. Der Platz am Fußschemel war der Platz, der Demütigung.
Versetzen wir uns kurz in die Situation von damals. Man trug Sandalen, ging auf schmutzigen und staubigen Straßen herum und jetzt wird einem gesagt, man soll sich bei den schmutzigen und stinkenden Füßen anderer hinsetzen.
Der Grund für diese Unterschiede kommt aus den Herzen der Gläubigen.
Jakobus 2,4: würdet ihr da nicht Unterschiede unter euch machen und nach verwerflichen Grundsätzen richten?
Die Schlachter übersetzt hier mit: „verwerflichen Grundsätzen“ man könnte auch übersetzen: „mit bösen Gedanken richten“. Die Gläubigen richteten nicht fair.
Kennen wir das nicht auch von uns? Vielleicht nicht in der Situation wie am Anfang geschildert, aber in anderen:
Wir kommen irgendwohin und sehen schon von weiten, da steht jemand mit dem wir nicht so gut können. Und dann kommt der auch noch auf uns zu.
Kommen da nicht ganz schnell Gedanken wie: „Oh ne mit dem will ich nicht reden, der ist komisch.“
Oder „Wenn ich jetzt mit dem ein Gespräch anfange, erzählt der wieder so lange von sich.“ Leider kenne ich so Gedanken von mir nur zu gut.
Viel zu oft suche ich in Gesprächen meinen Vorteil.
Statt mich zu fragen: „Wer braucht mich jetzt am meisten?“
Frage ich:
„Auf welches Gespräch habe ich jetzt gerade Lust?“
„Mit wem macht es am meisten Spaß zu reden?“
Oder:
„Von wem kann ich jetzt am meisten lernen?“
Wenn wir immer nur darauf schauen, welches Gespräch uns jetzt am meisten etwas bringt, dann schaden wir anderen und uns.
Wir schaden anderen, weil sie dadurch alleine und einsam sind. Weil sie Hilfe, die sie von uns bräuchten, nicht bekommen.
Wir schaden andere aber auch uns, weil wir dadurch Begegnungen verpassen, die wertvoll und bereichernd sein können.
Nachdem Jakobus anhand seines Beispiels deutlich gemacht hat, wie sich falsches Verhalten äußert verweist er uns auf Gottes Blick.
2. Der Blick Gottes
Jakobus 2,5: Hört, meine geliebten Brüder: Hat nicht Gott die Armen dieser Welt erwählt, dass sie reich im Glauben würden und Erben des Reiches, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?
Bei Gott sind gerade die Armen und verachteten diejenigen die für ihn wertvoll sind, weil sie oft bereit dazu sind das Evangelium anzunehmen.
Die Masse der Gläubigen sind nicht besonders reich, einflussreich oder vornehm.
Die Gemeinde besteht nicht aus der High Society der Gesellschaft.
Oft sind es gerade die, von denen man es am wenigsten erwartet, die zum Glauben kommen.
z.B. Randgruppen, Obdachlose, Drogenabhängige,
Das sieht man schon an Jesus. Wer waren diejenigen mit denen er sich umgeben hat? Auch nicht die damalige High Society. Jesus wurde nicht ein Freund der Schriftgelehrten, der Pharisäer, des Obersten Gerichtes, der Statthalter oder ein Freund des Kaisers genannt.
Nein, Jesus wurde als Freund der Zöllner und Sünder bezeichnet.
Wieso? Weil sie diejenigen waren, die ihm nachgefolgt sind.
Sie waren diejenigen die ihm zugehört haben.
Sie waren diejenigen die wussten, dass sie Jesus brauchten.
Im Gegensatz zu den selbstgerechten Pharisäern.
Wenn wir also das nächste Mal auf Gläubige treffen, die nicht gerade zu unseren Lieblingsmenschen gehören, dann lasst uns sie mit Gottes Augen sehen.
Erinnern wir uns daran, dass sie geistlich mit uns auf einer Stufe stehen.
Dass sie geistlich gesehen, die gleichen Segnungen haben wie wir.
Sie sind unsere Geschwister. Wir gehören zu einer Familie.
Erinnern wir uns daran, dass Jesus selbst arm war. Er war selber obdachlos.
Wenn wir also Gott ähnlicher werden wollen.
Wenn wir das lieben möchten, was er liebt.
Dann heißt es, Andere mit seinen Augen zu sehen.
Und da wo es uns schwerfällt ihn darum bitten, dass er uns dabei hilft.
Statt uns zu fragen, was kann der andere mir geben, sollten wir uns vielmehr fragen, wie kann ich dem anderen dienen.
Wenn wir so handeln, spiegeln wir Jesus wieder und nehmen eine göttliche Perspektive ein.
Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.
