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Wieviel Balken braucht dein Ego noch? (BibelFokus Februar 2026)

Beschreibung

Andere zu kritisieren ist immer leicht. Offensichtlich ist, was schiefläuft und wie man das ganz leicht ändern könnte. Sicher hat man selbst auch seine Schwächen, aber dafür gibt es schließlich gute Gründe. Meine sind eigentlich nur sympathische Macken und Ticks, die sind doch echt harmlos …

So ähnlich haben viele Menschen zur Zeit Jesu gedacht. Gerade unter der religiösen Führungsschicht, den Pharisäern und Schriftgelehrten, war dieses Denken verbreitet. Wir erinnern uns kurz an die Begebenheit, von der Jesus erzählt. Zwei Männer, die in den Tempel gehen, um zu beten. Der eine, ein Zöllner, der andere, ein Pharisäer. Zöllner gehörten damals zum gesellschaftlichen Abschaum. Sie arbeiteten mit den Besatzern zusammen, und keiner wollte etwas mit ihnen zu tun haben. Und wir können dazu aus Lukas 18 die Verse 9 bis 12 lesen.

Lukas 18,9–12
9 Er sagte aber auch zu etlichen, die auf sich selbst vertrauten, dass sie gerecht seien, und die Übrigen verachteten, dieses Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich selbst so: O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner da. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme!

Und hier sagt Jesus: Stopp! Ich bin für mich selbst verantwortlich. Mein Leben ist es, das ich vor Gott verantworten muss, nicht das der anderen. Und dazu können wir einen weiteren Bibeltext lesen, der zum ersten passt.

Matthäus 7 die Verse 1 bis 5.

Matthäus 7,1–5
1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! 2 Denn mit demselben Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit demselben Maß, mit dem ihr anderen zumesst, wird auch euch zugemessen werden. 3 Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? 4 Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Halt, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen! – und siehe, der Balken ist in deinem Auge? 5 Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen!

Ich habe die Fragen von Jesus hier in einem Satz zusammengefasst.

Wieviel Balken braucht dein Ego noch?

Eine herausfordernde und wahrscheinlich auch sehr provokante Frage.

Jesus kommt in seiner Bergpredigt so langsam zum Ende. Und ER nimmt weiterhin kein Blatt vor den Mund. Er spricht Fehler und Fehlverhalten offen an. Dazu gebraucht ER Bilder und Vergleiche, die allen damals gut bekannt waren.

Jesus selbst war Zimmermann. ER wusste mit Sicherheit, wie „angenehm“ ein Holzsplitter im Auge ist. Vielleicht musste ER Seinem Vater auch mal einen solchen Splitter aus dem Auge entfernen. Das funktionierte aber nur, wenn ER selbst keinen Splitter in Seinem Auge hat, denn dann wäre Sein Auge nur am Tränen. Er würde nicht richtig sehen und Seinen Vater nur noch mehr verletzen.

Dieses Bild hat Jesus hier: Augen. Nur, dass ER nicht vom Splitter, sondern vom Balken im eigenen Auge spricht. Und wer einen Balken im Auge hat, sieht nichts.

Wieso siehst du den Splitter, der im Auge deines Bruders ist. Der Splitter könnte eine Macke, eine Gewohnheit sein, die ich bei meinem Gegenüber nicht leiden kann.

Meinetwegen könnte es sein, dass er bei jedem zweiten Satz eine sinnlose Bemerkung fallen lässt. Oder dass er einfach grundsätzlich gestresst ist. Das regt mich mit der Zeit so auf, dass ich ihn darauf hinweise und ihm sage, dass er damit endlich aufhören soll.

Und es ist immer leichter, die Fehler anderer zu kritisieren, damit man sich nicht mit den eigenen auseinandersetzen muss – oder sie besser schönreden kann. Dann muss man sich auch nicht mit den unangenehmen Fragen beschäftigen, warum stört mich das am anderen. Liegt das Problem vielleicht bei mir selbst. Das geht nämlich alles gewaltig gegen das eigene Ego. Aber davon wird es nicht besser.

Und darum geht es: Wir sollen besser werden. Nicht moralischer, sondern qualitativ gut.

Das ist das, was die Bibel als Heiligung beschreibt. Jesus ähnlicher werden.

Statt Fehler-Jäger bei anderen zu sein, sollten wir also lieber Detektive im eigenen Inneren werden – da gibt es meist mehr zu entdecken.

Johann Wolfgang von Goethe, der deutsche Dichter, Politiker und Naturforscher, hat es so formuliert: Jeder kehre vor seiner eigenen Tür, dann wäre die Welt sauber.

Aber genau das fällt uns so schwer, bei uns selbst anzufangen. Wir sind oft so überzeugt von uns selbst und meinen, wir könnten den anderen helfen.

Aber wenn du glaubst, du bist es, dann wirst du kaum jemand anderem helfen können. Jesus nennt solche Menschen in Matthäus 15, Vers 14: „blinde Blindenleiter“.

Denn so, wie du den anderen nur mehr verletzt, beim Splitter ziehen, weil du selbst kaum etwas siehst, verletzt du auch so Menschen oft noch mehr. Du knallst deine scheinbare Analyse den Menschen lieblos vor den Latz. Merkst aber nicht, dass du selbst genauso und eigentlich noch schlimmer bist. So ähnlich habe ich das hin und wieder selbst getan.

Und genau deswegen sagt Jesus: Hier, fang erst bei dir selbst an. Hör auf, andere zu ver- und beurteilen, und fang bei dir selbst an.

Warum ist das so wichtig? Weil Veränderung nicht durch Anklage entsteht, sondern durch Vorbild. Wenn wir uns selbst ehrlich unter die Lupe nehmen oder von Gott unter die Lupe nehmen lassen. So, wie David es macht, in Psalm 139, Vers 23.

Psalmen 139,23
23 Erforsche mich, o Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine;

Wenn wir selbst Demut zeigen und bereit sind, an uns zu arbeiten, dann entsteht etwas viel Stärkeres als jedes Urteil, das wir über andere fällen: Es entsteht eine glaubwürdige Liebe.

Gott lädt uns nicht dazu ein, perfekte Menschen zu sein, sondern ehrliche. Er sieht unser Herz.

Und deswegen, bevor du das nächste Mal über jemanden urteilst, bleib kurz ruhig und frag dich: Was könnte ich heute bei mir selbst anders machen? Und bitte Gott: „Zeige mir den Balken in meinem Auge – und gib mir den Mut, ihn herauszuziehen.“

AMEN!

1 Rezension für Wieviel Balken braucht dein Ego noch? (BibelFokus Februar 2026)

Gerd Kohler

  • 22. April 2026

Ein wertvoller Beitrag gerade in dieser Zeit, nicht nur für Christen. Habe es gerne geteilt.

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