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Februar 2016 –
Freundlichkeit

von Ulrich Krieger

2-Freundlichkeit
Wie auch die anderen christlichen Eigenschaften können wir die Freundlichkeit nur dann beweisen, wenn wir hart angefasst werden. Die Freundlichkeit einer Person wird nicht auf die Probe gestellt, solange alles gut läuft. Der Test der Freundlichkeit kommt erst dann, wenn uns etwas oder jemand in die Quere kommt. Wir wachsen also in dieser christlichen Eigenschaft, wenn uns etwas Schwieriges oder Bösartiges begegnet und wir freundlich bleiben. Zu Hause erweist sich die Freundlichkeit am besten. Sie zeigt sich, wenn das Essen versalzen serviert wird. Sie zeigt sich auch, wenn jemand ungeduldig ist und voreilige, verletzende Worte sagt. Das sind Gelegenheiten, in denen uns der Heilige Geist hilft, freundlich zu bleiben. Dasselbe gilt auch im Geschäft und im Büro. Ob wir Freundlichkeit die ja eine Frucht des Geistes ist besitzen, wird dann getestet, wenn etwas schiefläuft. Wenn ein Kollege unangenehm wird und wenn wir allen Grund haben, aus der Haut zu fahren. Denken wir daran: Freundlichkeit kann nur durch die Begegnung mit Unfreundlichkeit reifen und getestet werden. Ich habe einmal folgendes gelesen: „Behalten Sie es in Erinnerung, dass die Biene, die den Honig macht, sich von bitterer Nahrung ernährt. In der gleichen Weise können auch wir nie freundlicher und geduldiger handeln – oder den Honig der echten Tugenden sammeln, als wenn wir durch harte Zeiten gehen. Und so wie der beste Honig aus Thymian gewonnen wird, einer kleinen und bitteren Pflanze, so ist auch diese Tugend, die inmitten der Bitterkeit praktiziert wird, die beste aller Tugenden.“ Ich fand, das ist ein sehr passender Vergleich. Dass was gesammelt wird, kommt von einer bitteren Pflanze. Aber das was rauskommt ist süß und hilft sogar gegen Krankheiten.

1. Freundlichkeit – Liebe die sich in kleinen Taten zeigt

Die Epheser bekommen genaue Hinweise, was sich bei ihnen geändert hat. Sie haben den Heiligen Geist bekommen, der ja ihr Siegel für das zukünftige Leben mit Gott ist. Das muss aber auch Auswirkungen im täglichen Umgang haben. Und so werden sie daran erinnert. Schreit einander nicht an, redet nicht schlecht über andere. In diesem Zusammenhang fällt auch unser Begriff. Eph. 4,32 Seid vielmehr freundlich und barmherzig, und vergebt einander, so wie Gott euch durch Jesus Christus vergeben hat. Interessant finde ich, dass hier wieder ein Zusammenhang hergestellt wird. Freundlichkeit in der Verbindung mit Barmherzigkeit und mit Vergebung. Freundlichkeit wird da wertvoll wo sie nicht erwartet wird. Ein freundlicher Mensch wird immer auch die Gefühle von anderen im Blick haben. Gefühle drücken sich oft in den unbewussten, unkontrollierten, spontanen Gesten aus. Wenn wir klug sind, werden wir unsere Worte und Handlungen entsprechend anpassen. Vielleicht denkt jetzt jemand – das ist ja berechnend. Nein – berechnend wäre es, wenn meine Absichten die ich verfolge, falsch wären. Ich denke, wir finden die richte Antwort darauf in den Korintherbriefen 1. Kor. 13,4 Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. Liebe ist freundlich. Freundlichkeit versteht den anderen sogar, wenn dieser falsch handelt. 2. Kor. 6,4-6 In allem empfehlen wir uns als Gottes Mitarbeiter: Wir bleiben standhaft in Bedrängnissen, in Not und Angst, auch wenn man uns schlägt und einsperrt, wenn wir aufgehetzten Menschen ausgeliefert sind, bis zur Erschöpfung arbeiten, uns kaum Schlaf gönnen und auf Nahrung verzichten. Wir lassen uns nichts zuschulden kommen und erkennen Gottes Willen; wir sind geduldig und freundlich, Gottes Heiliger Geist wirkt durch uns, und wir lieben jeden Menschen aufrichtig. Trotz allem sind wir freundlich. Auch hier sehen wir wieder in welchen Kontext die Freundlichkeit gestellt wird

2. Freundlichkeit, das Zeichen der Starken

Wir erkennen, dass die Frucht der Freundlichkeit mehr als ein Gefühl ist. Kol. 3,12-13a (NL) Da Gott euch erwählt hat, zu seinen Heiligen und Geliebten zu gehören, seid voll Mitleid und Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftheit und Geduld. Seid nachsichtig mit den Fehlern der anderen und vergebt denen, die euch gekränkt haben. Vergesst nicht, dass der Herr euch vergeben hat. Erwählt, um freundlich zu sein. Freundlichkeit ist nicht ein künstliches, oberflächliches Nett-sein. Freundlichkeit ist eine geistliche Eigenschaft, die aus der geistlichen Kraft und Reife entspringt. Nur der Starke kann unter schwierigen Umständen freundlich sein. Gott ist groß genug, um freundlich zu sein. Die Unsicheren und Schwachen müssen prahlerisch und aufmüpfig sein. Sie müssen ihre Fähigkeit beweisen und sich gegen andere behaupten. Ein schwacher Christ verfällt schnell in Kritik. Er unternimmt verbale Angriffe auf andere. Er kann anders Denkende nicht ausstehen. Die Starken haben es nicht nötig, sich zu revanchieren, sich zu verteidigen oder anzugeben. Der starke Christ ist der freundliche Christ. Der Geist Christi macht uns freundlich, großzügig und sanft. Freundlichkeit nimmt uns von dem Richterstuhl und setzt uns auf den Gnadenthron. So macht der Heilige Geist unseren Umgang liebenswürdig. Im Geist zu wandeln bedeutet, in Wort und Tat auf dem Weg der Freundlichkeit zu gehen. Es bedeutet, stark genug zu sein um zuzugeben, dass wir nicht alle Antworten haben.

3. Freundlichkeit wird erfahrbar

Der Evangelist Martin Higgenbottom bezeichnete seine Mutter als „die Liebe in Person“. Eines Tages sah er sie mit einem alten Landstreicher am Tisch sitzen. Offenbar war sie zum Einkaufen unterwegs, traf dann diesen Landstreicher auf dem Weg und lud ihn nach Hause zu einer warmen Mahlzeit ein. Während der Unterhaltung sagte der Landstreicher: „Ich wünschte, es gäbe auf der Welt mehr Menschen wie Sie.“ Worauf Martins Mutter erwiderte: „O, es gibt sie! Aber Sie müssen nur nach ihnen suchen.“ Der alte Mann schüttelte nur seinen Kopf und sagte: „Aber Lady, ich brauchte Sie nicht suchen. Sie suchten mich!“ Als diese Mutter dem Landstreicher ihre christliche Freundlichkeit entgegen brachte, tat sie etwas mehr als nur für sein Wohlergehen zu sorgen. Es war das Mitleid, das auf diesem Wege den nicht Liebenswürdigen liebte. Das ist die Geschichte von dem Leben, dem Tod und der Auferstehung unseres Heilands. Er kam um uns zu suchen – krank in unserer Sünde, lahm und verkrüppelt, zerschlagen und mit gebrochenem Herzen, elende Leute, arm und vergessen, gefangen und einsam im Reichtum. Das Wort „Freundlichkeit“ wird im griechischen Urtext Chrestotes geschrieben, während für Christus das Wort Christos steht. Es ist von daher kein großes Wunder, dass die früheren Heidenchristen Christus mit Freundlichkeit verwechselten. Gottes Freundlichkeit wurde in Christus veranschaulicht, vorgeführt und verkörpert. Dasselbe ist praktisch auch unsere Aufgabe.