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Eine Frage des Herzens


von Volker Koch

Wenn die Bibel über das Herz spricht, dann spricht sie über Emotionen und die Psyche.

Bei fast 1000 Fundstellen für das Wort Herz geht es im Prinzip immer um die seelischen Empfindungen in ihrer Summe und den Sitz der Identität, das ICH des Menschen.

Wie das Herz sich fühlt, wie es uns zu reagieren antreibt, ist ein Mix aus unserer Veranlagung, dem Rucksack, den wir seit der Kindheit angefüllt haben und mit uns herumschleppen und dem Einfluss aus der unsichtbaren Welt.

Unser geistliches Umfeld nimmt Einfluss, aber auch der “Zeitgeist”. Einerseits haben wir Einflüsse göttlichen Ursprungs, andererseits teuflischen Ursprungs.

Unsere Identität, unser ICH bildet und schützt sich größtenteils durch Emotionen.

Es geht mir darum, uns den Spiegel des Wortes Gottes vorzuhalten, um unser Herz zu prüfen und dann den Heiligen Geist an uns arbeiten zu lassen. Der Psalmist drückt das so aus:

Ps 139,23+24: “Erforsche mich, o Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine; und sieh, ob ich auf bösem Weg bin, und leite mich auf dem ewigen Weg!”

Wenn heute also dein Herz entbrennt oder dir die “Galle hochkommt”, dann gehe nicht in dein Schneckenhaus oder gar in den Angriff über, sondern in die Klärung, mach einen Schritt zurück und gehe ins Gebet.

Wir wollen drei Punkte gemeinsam betrachten.

Eine Frage des Herzens …

  • im Allgemeinen
  • im persönlichen Leben
  • im christlichen Miteinander

1. Eine Frage des Herzens im Allgemeinen

Das Herz ist eine umkämpfte Sache, weil sowohl Gott als auch der Widersacher unser Herz gewinnen will.

Genau gesagt will der Teufel die Herzen der Menschen bei sich behalten und davon abhalten, sich Gott zuzuwenden.

Wie ist es nun mit dem Wunsch Gottes, unser Herz gewinnen zu wollen?

Zunächst einmal ist es ein Kampf um Zuneigung und Gegenliebe; er hat uns zuerst geliebt.

1. Joh. 4,19: “Lasst uns ihn lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.”

Beachte: Wenn wir von der Liebe Gottes zu den Menschen sprechen, dann sprechen wir in persona von Jesus Christus, denn er ist die sichtbar gewordene Menschenliebe Gottes (vgl. Titus 3,4).

Der Prozess der Bekehrung ist gemäß Römer 2 ein Werben Gottes um das Herz des Menschen.

Röm 2,4: “Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut, und erkennst nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?”

Röm 2,5: “Aber aufgrund deiner Verstocktheit und deines unbußfertigen Herzens häufst du dir selbst Zorn auf für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes,…”

Das Herz des Menschen ist zunächst kein Ort des guten Willens oder eine Art guter Kern des Menschen – im Gegenteil. Das hat Gott den Menschen schon früh attestiert:

1.Mose 6,5+6: “Als aber der Herr sah, dass die Bosheit des Menschen sehr groß war auf der Erde und alles Trachten der Gedanken seines Herzens allezeit nur böse, da reute es den Herrn, dass er den Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es betrübte ihn in seinem Herzen.”

Der Mensch ist von Natur aus böse und will über die Sünde nicht Buße tun. Jetzt wirkt Gott gemäß Römer 2,4 an den Herzen der Menschen und will sie zur Buße leiten. Das Problem liegt im oder am Herzen des Menschen und wer die Güte, Geduld und Langmut Gottes ablehnt, der kann nicht Nutznießer der Gnade werden und muss selbst für seine Schuld bezahlen.

Beide Stellen erklären zudem, dass das Problem nicht auf der Ebene des Nachdenkens im Gehirn, sondern quasi auf Ebene des Herzens angesiedelt ist.

Wir erkennen, dass die Gedanken des Herzens stärker sind als die Gedanken des Gehirns und hier ist der Mensch böse. Es geht ums Herz!

Der Mensch will vielleicht sogar das Gute. Aber in letzter Konsequenz wird er böse bleiben, solange er nicht wiedergeboren ist. Der Sünder muss Buße tun, um gerettet zu werden, sonst bleibt seine Identität böse und seine Stellung „un-heilig“ und „un-gerecht“ vor Gott. Er braucht die Reinigung durch das Blut. Nur in Christus kann bzw. wird der Mensch ein „neues“ Herz bekommen. Das ist die neue Identität. Nur so wird sich der Kampf zwischen Gutem und Bösem erfolgreich aufnehmen lassen.

2. Eine Frage des Herzens – Im persönlichen Leben

Wir können aus den genannten Stellen einerseits erkennen, dass Gott das Herz des Menschen für sich haben will und wir erfahren in

Lukas 6,45: “Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.” und 1. Chronik 28,9 sagt: „Denn der Herr erforscht alle Herzen und erkennt alles Trachten der Gedanken.“

Wenn wir etwas nur aus Pflichterfüllung tun oder um den guten Schein zu wahren, dann mag das für Menschen gut aussehen, für Gott ist es aber eine Vortäuschung, die er als solche erkennt.

Wenn wir darüber nachdenken, was unsere Beschäftigung mit dem Herrn begründen soll, dann merken wir, worum es gehen sollte, eine Liebesbeziehung!

Wenn wir damit beginnen diese Tatsache in den Mittelpunkt zu rücken, bewegen wir seine Liebe zu uns in unserem Herzen und damit beginnt diese Beziehung.

Fazit: Wenn ich das, was Gott für mich getan hat – weil er mich liebt – wirklich dankbar annehme und im Herzen bewege, dann ist der erste Schritt gemacht. Mein Herz wird sich für ihn interessieren und mein Leben wird davon beeinflusst werden.

Ich werde das Gute kennenlernen und das Böse erkennen lernen. Das führt dazu, dass ich es nicht mehr möchte und aufrichtig und aus freiwilligem Herzen heraus handeln werde.

3. Eine Frage des Herzens – im christlichen Miteinander

Die Gemeinde Jesu ist die Summe der Identitäten – also die persönliche Herzenshaltung jedes einzelnen ist die Basis des Zusammenlebens als Gemeinde.

Die einen sind begeistert, sie sind mit Freude dabei und dienen im Auftrag Gottes. Die anderen kommen zwar auch, aber man hat den Eindruck, sie kommen aus einem gewissen Zwang, oder weil sie eine Dienstleistung abholen wollen, ohne dabei etwas einbringen zu wollen.

Sicher, das ist etwas schwarz/weiß formuliert, ich leugne keineswegs die Schattierungen dazwischen und dann haben wir eben doch ein vollständiges Bild unseres Miteinanders.

Nüchterner Befund: Dem einen ist Gemeinde eine Herzenssache und dem anderen eben nicht.

Kann man das so hinnehmen und alles ist gut?

Ich glaube nicht, denn so will der Herr seine Gemeinde nicht haben!

Eph. 4,16: “Von ihm aus vollbringt der ganze Leib, zusammengefügt und verbunden durch alle Gelenke, die einander Handreichung tun nach dem Maß der Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Gliedes, das Wachstum des Leibes zur Auferbauung seiner selbst in Liebe.”

Die Gemeinde Jesu soll einem Organismus verglichen werden können, wie der menschliche Körper einer ist. Vom Herrn ausgehend arbeitet der Leib als Team am Wachstum des Leibes zu dessen Stärkung und Wachstum – in Liebe.

Wenn wir uns das zu Herzen nehmen, dann bekommen wir eine andere Haltung. Es verändert unsere Erwartung und vor allem unsere Bereitschaft Gemeinde zur Herzenssache werden zu lassen.

Die Liebe nach dem Vorbild des Herrn ist selbstlos und bringt sich verschwenderisch ein.

Lasst uns, ausgehend von der Gewissheit, dass wir alle Heilige, Auserwählte, Gerettete, Kinder Gottes aufgrund der Rettung (Herzenssache Gottes) sind, denken.

Das bedeutet dann, dass vom Retter her gedacht werden muss – seine Art die anderen zu sehen ist der Weg dazu, dass Gemeinde Herzenssache wird.

Die Herzenshaltung des Menschen tendiert zum Ich, die Herzenshaltung Gottes dazu, das Herz des Menschen für sich zu gewinnen. Hier haben wir den Schlüssel zur persönlichen Weiterentwicklung – lasst uns auf den Herrn schauen und nicht auf uns. Und auf die Geschwister, wie der Herr auf sie gesehen hat; er sah sie, wie sie waren, unvollkommen und egoistisch, aber das hat ihn nicht abgehalten zu dienen. Erst durch ihn und in ihm sind diese Hürden überwunden.

Gemeinde ist ein Läuterungsprozess der Einzelnen hin zum Gemeinsamen im HERRN.

Eine Beruhigung zum Schluss: Wenn alle in Liebe an den anderen dienen, dann kommst auch du nicht zu kurz!

AMEN